Aus der Schatztruhe #12 – Beethovens Streichquartette

Therese_Malfatti_Anonymus
Therese Malfatti (Anonymus)

Nach 1871 erfuhr das noch junge Beethovenfest eine Unterbrechung, die erst 1889 ein Ende fand. Das Festival bestand allerdings in Form von Kammermusikfesten weiter, wobei das erste dieser Art der von zwölf engagierten Bonnern gegründete »Verein Beethoven-Haus« bereits ein Jahr später veranstaltete. Wie der Name schon sagt, widmeten sich die beteiligten Musiker der Kammermusik Beethovens. Beim 6. Kammermusikfest von 1903 wurden an nur fünf Abende erstmals Beethovens sämtliche Streichquartette durch das Joachim-Quartett aufgeführt.
Bis auf wenige Ausnahmen widmete Beethoven seine Streichquartette adligen Gönnern, die nicht selten die Werke selbst beim Komponisten in Auftrag gegeben hatten. Dies zeigt nicht nur die Verbindung des Komponisten in adlige Kreise, sondern auch ein großes Interesse vieler reicher Mäzene an der Musik des Bonner Genies.
Op. 18 ist ein Zyklus von insgesamt 6 Quartetten, die zwischen 1798 und 1800 entstanden sind und Beethovens Mäzen Fürst Franz Joseph von Lobkowitz gewidmet sind. Ebenso das Streichquartett op. 74, das wegen der auffälligen Pizzicato-Partien auch als »Harfenquartett« bezeichnet wird. Die Drei Streichquartette Op. 59 sind dem Grafen Andreas Kyrillowitsch Rasumowsky gewidmet – ebenfalls Förderer der Musik Beethovens.
Der Auftraggeber Fürst Nikolaus Galitzin war Widmungsempfänger gleich dreier Streichquartette – Op. 127, 130, 132 – weshalb die Quartette auch unter dem Namen »Galitzin-Quartette« bekannt geworden sind. Die Schlussfuge von op. 130 wurde aufgrund des enormen Ausmaßes auf Wunsch des Verlegers gesondert in op. 133 als »Große Fuge für Streichquartett« veröffentlicht.
Op. 131, das Beethoven zunächst seinem Freund Johann Wolfmayer widmen wollte, fand als Widmungsträger schließlich Baron Joseph v. Sutterheim – einem mährischen Feldmarschallleutnant – mit der Begründung: »Es muß dem hiesigen Feldmarschal-Lieutenant Baron v. Stutterheim, dem ich große Verbindlichkeiten schuldig bin, gewidmet werden.« (Brief Beethovens vom 10. März 1827 an B. Schott’s Söhne in Mainz)
Op. 135 widmete Beethoven letztlich seinem Freund und jahrelangem Verehrer Wolfmayer. Das Streichquartett Op. 95 oder auch »Quartetto serioso«, wie Beethoven es selbst nannte, ist in eine besonders interessante Entstehungsgeschichte eingebettet. Gewidmet wurde es »Dem Herrn von Zmeskall«, als »ein liebes Andenken unserer hier lange waltenden Freundschaft«. (Brief Beethovens vom 16. Dezember 1816 an Nikolaus Zmeskall)
Gemeint ist der Cellist Nikolaus Zmeskall von Donamovecz. Er hatte den Heiratsantrag Beethovens, den dieser 1810 der 19-jährigen Therese Malfatti machte, miterlebt. Sie lehnte allerdings ab und die gesamte Enttäuschung und Bitterkeit des Komponisten schlug sich in einer düsteren, »ernsten« Stimmung des Quartetts nieder.
Wohl kein anderes Ensemble hat sich derart lange und profund mit den beiden wichtigsten Quartett-Komponisten der Musikgeschichte – Ludwig van Beethoven und Dmitri Schostakowitsch – beschäftigt wie das Borodin Quartet. Während einer dreijährigen Residency von 2012 bis 2014 in Bonn spielt das Ensemble in insgesamt 12 Konzerten alle Streichquartette Ludwig van Beethovens und die wichtigsten russischen Werke für diese Besetzung. 2013 wird das Quartett am 26.9., 28.9., 30.9. und 1.10.2013 mit insgesamt sechs der Beethovschen Streichquartette zu hören sein.

Quellen und Literatur:
– Ludwig van Beethoven: Briefwechsel, Gesamtausgabe in 7 Bde., hrsg. von Sieghard Brandenburg, München 1996-1998, hier Bd. 6, S. 372.
– Ludwig van Beethoven: Briefwechsel, Gesamtausgabe in 7 Bde., hrsg. von Sieghard Brandenburg, München 1996-1998, hier Bd. 3, S. 335.
– Das Werk Beethovens. Thematisch-bibliographisches Verzeichnis seiner sämtlichen vollendeten Kompositionen von Georg Kinsky. Nach dem Tode des Verfassers abgeschlossen und herausgegeben von Hans Halm, 1955/1983 München.

R wie Rasumowsky

Beethoven-Blog-Lexikon

Der russische Graf Andreas Kirillovich Rasumowsky war in den Jahren 1777-1779 bei der russischen Gesandtschaft in Wien beschäftigt. Der Name mag von Beethovens drei Streichquartetten, die unter der Opusnummer 59 zusammengefasst werden, bekannt sein. Sie sind dem Grafen gewidmet und gemeinhin als Rasumowsky-Quartette bekannt. Rasumowsky verehrte Beethovens Musik und wurde einer seiner wichtigsten Förderer in Wien. Von 1808 – 1816 unterhielt er ein Streichquartett, dessen erster Geiger Ignaz Schuppanzigh ein guter Freund von Beethoven war. Das Quartett spielte hauptsächlich Werke von Beethoven und manchmal spielte Rasumowsky selbst den Part der zweiten Geige. Neben den Rasumowsky-Quartetten widmete Beethoven auch seine fünfte und sechste Symphonie seinem Förderer. Im Jahre 1814 ereilte ihn ein Schicksalsschlag: Durch einen Brand in seinem Palais in Wien verlor Rasumowsky einen Großteil seines Vermögens. Ein Jahr später wurde er in den Fürstenstand erhoben und lebte noch bis zu seinem Tod weiterhin zurückgezogen in Wien.

Andrei_razumovski

Quelle: Beethoven-Haus Bonn

Q wie Quartett

Beethoven-Blog-Lexikon

Q wie Quartett heißt es heute im Beethoven-Blog-Lexikon – und wir brauchen keine Spielkarten dafür. Insgesamt 18 Streichquartette hat Beethoven geschrieben – sein erstes mit 29 Jahren. Die Gattung, die sein Lehrer Joseph Haydn in den 1760er Jahren wesentlich weiterentwickelte, hatte ihn seitdem nicht mehr losgelassen und so war das letzte Werk, das er wenige Monate vor seinem Tod 1826 vollendete, auch ein Streichquartett.

Beethovens erste Streichquartette waren eine Auftragsarbeit für den Fürsten Franz Joseph Maximilian von Lobkowitz und mussten sich mit Haydns Quartetten op. 77 messen, die zur gleichen Zeit an Lobkowitz gingen. Diese sechs Streichquartette von Beethoven wurden unter der Opusnummer 18 zusammengefasst und nach ihrem Erscheinungsdatum durchnummeriert. Das F-Dur Quartett op. 18,1 wurde also zuerst gedruckt, aber das erste Quartett, das Beethoven je komponierte, ist das D-Dur Quartett op. 18,3. Auch Beethoven musste sich erst in dieser Gattung üben und schrieb nach einer Überarbeitung des F-Dur Quartetts einem Freund: „Dein Quartett gieb ja nicht weiter, weil ich es sehr umgeändert habe; indem ich erst jetzt recht Quartetten zu schreiben weiß, was Du schon sehen wirst, wenn Du sie erhalten wirst.“

Hervorzuheben sind desweiteren die drei Rasumowsky-Quartette und die drei Golizyn-Quartette, die jeweils nach ihrem Widmungsträger benannt sind: Graf Andreas Kirillovich Rasumowsky und  Fürst Nikolai Borissowitz Golizyn. Erstere werden unter der Opusnummer 59 zusammengefasst und auch russische Quartette genannt, da sie russische Melodien aufgreifen. Bei ersten Aufführungen in den Jahren 1808/09 war das Publikum zunächst nicht begeistert. Heute jedoch gelten die Rasumowsky-Quartette als Meilenstein in Beethovens Schaffen. Die drei Golizyn-Quartette sind die Quartette Nr. 12 op. 127 , Nr. 13 op. 130 und Nr. 15 op. 132. Wie bei den Rasumowsky-Quartetten stehen auch hier das erste und letzte Quartett in Dur und das mittlere in Moll. Beethovens letzte abgeschlossene Komposition wurde das Streichquartett Nr. 16 F-Dur op. 135.

1_borodin_quartet_sw_c_keith_saunders_2012_2

Borodin Quartett © Keith Saunders

Beim Beethovenfest Bonn wird das Borodin Quartett, das traditionsreichste und bekannteste russische Quartett unserer Zeit, sich in den nächsten drei Jahren erstmals exklusiv dieser Gattung widmen.

>>Beethoven-Streichquartett-Zyklus

I wie Instrument

Beethoven-Blog-Lexikon

Wenn es im Beethoven-Blog-Lexikon um Instrumente geht, kann man sich denken, um welche Art von Instrumenten es sich handelt: Musikinstrumente! Seit Beethovens Kindheit bestimmten Musikinstrumente seinen Alltag. Er erhielt Klavier-, Kompositions- und Geigenunterricht, trat mit sieben Jahren zum ersten Mal als Pianist auf, bekam später seine erste Anstellung als Organist und dann als Cembalist und Bratschist der Hofkapelle. Im Beethoven-Haus Bonn sind einige seiner Instrumente zu bewundern, darunter die Dienstbratsche, auf der er als Mitglied der Bonner Hofkapelle spielte.

Im Jahre 2009 konnte das Beethoven-Haus für eine Ausstellung zu Beethovens Streichinstrumenten sogar alle sechs Streichinstrumente, die Beethoven besessen hat, zusammentragen. Auf dem Korpus des restaurierten Cellos, einer Leihgabe, sind heute noch zwei Siegel von Beethoven erkennbar. Er erhielt es von Fürst Karl Lichnowsky, der dem Komponisten für die sechs Streichquartette op. 18 einen ganzen Satz von Streichquartett-Instrumenten schenkte.

 

Beethoven, der zunächst als Klaviervirtuose Erfolge feierte, stellte immer neuer Forderungen an die Klavierbauer. Die schnellen Weiterentwicklungen im Instrumentenbau jener Zeit, besonders bei den Blasinstrumenten, beeinflussten auch Beethovens instrumentalische Experimentierfreude. Im Finalsatz seiner Fünften Symphonie spielen Posaunen und Piccoloflöten eine herausragende Rolle und im Violinkonzert räumte er gar der Pauke einen besonderen Stellenwert ein (>Hörbeispiel).

Weniger erfolgreich war Beethoven mit der Weiterentwicklung einer anderen Art von Instrumenten  – mit seinen Hörrohren. Doch das ist ein anderes Kapitel…

Beethovenhome