Aus der Schatztruhe #8 – Die Mottos beim Beethovenfest Bonn

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Bild: »Joy« als Motto des Beethovenfestes 2007

Jedes Jahr freuen sich Freunde und Liebhaber des Beethovenfestes Bonn nicht nur auf die Bekanntgabe des Programms, sondern ebenso auf das Motto, das die Leitlinie für die jeweiligen Festivals vorgibt. In einer intensiven Arbeitsphase wird es zusammen mit der Graphikagentur und dem gesamten Team des Beethovenfestes entwickelt, bis man sich schließlich in einer Abstimmung gewissermaßen demokratisch darauf einigt. Es ist deshalb so wichtig, da das Motto trotz Traditionsreichtums die Individualität jedes einzelnen Beethovenfestes ausmacht. Ideen, die Beethovens Werk beeinflussten oder kennzeichnen werden hier aufgegriffen und neu definiert.

So wurde beispielsweise 1999 die Beziehung Beethovens zu seinem Weimarer Geistesverwandten Goethe thematisiert und 2002 stand das Beethovenfest anlässlich des 175. Todestages des Komponisten unter dem Motto »Nicht verloren habt ihr ihn…«.
Von 2004 bis 2007 waren die Beethovenfeste jeweils von einem eigenen Länderschwerpunkt geprägt, die die internationalen Beziehungen Beethovens veranschaulichen: 2004 – im Jahr des EU-Beitritts der Tschechischen Republik – wurde dem böhmisch-mährischen Kulturraum – »Bohemia«, so das Motto – gewidmet. Anton Reicha, einer der größten tschechischen Meister, zählte zu Beethovens Lehrern.
Das Motto 2005 »Liberté« spiegelt Beethovens Zuneigung zur Französischen Revolution wider, die ihn zur »Sinfonia eroica«, zur Oper »Fidelio« und zu den Ouvertüren zu »Egmont« und »Coriolan« inspirierten.
Viele Streichquartette und die sechste Symphonie widmete Beethoven Graf Andrei Rasumowski, Zar AlexanderI. traf ihn anlässlich des Wiener Kongresses und auch Fürst Nikolai Galitzin beauftragte den gebürtigen Bonner mit der Komposition zahlreicher Streichquartette. Das Beethovenfest Bonn 2006 stand so ganz im Zeichen »Rossija« und widmete sich der russischen Musikgeschichte.
2007 leitete sich das Motto »Joy« von dem wohl berühmtesten Werk Beethovens ab – seiner neunten Symphonie, die Beethoven im Auftrag der Philharmonic Society in London komponiert hatte. Seine enge Verbindung zum britischen Empire zeigt sich unter anderem in der Schlachtensymphonie »Wellingtons Sieg oder Die Schlacht bei Vittoria« op. 91, dessen Widmungsträger Prinzregent Georg August Friedrich von England ist. Der Komponist verarbeitete hier nicht zum ersten Mal die Melodien von »Rule Britannia« und »God save the King«.

Von 2008 bis 2010 ging das Beethovenfest Bonn der Frage nach Intention und Rezeption des Beethovschen Werkes nach. 2008 lautete das Motto »Macht. Musik.«. Ausgehend von Beethovens politischem Vermächtnis beleuchtete das Beethovenfest ideologische Vereinnahmung und Ausgrenzung von Komponisten und deren Werke im 20. Jahrhundert. Lichtgestalten und einzigartige, faszinierende künstlerische Positionen und Musikstile beleuchtete das Beethovenfest Bonn 2009 unter dem Motto »Im Licht – Die romantische Verklärung des Künstlers«. Das Beethovenfest Bonn 2010 ermutigte unter dem Motto »Ins Offene. Utopie und Freiheit in der Musik« Künstler, auf höchstem Niveau neue Formate auszuprobieren, tradierte Grenzen des Konzertrituals zu sprengen und unkonventionelle Ansätze zu suchen.

2011 erinnerte zum 200. Geburtstag von Franz Liszt an das erste Bonner Beethovenfest von 1845, das Liszt initiiert hatte, und 2012 machte das Beethovenfest Musiker zum Gegenstand der Betrachtung, die wie der Bonner Revolutionär – von »Eigensinn« geprägt – ihrer Zeit voraus waren und sind.

Das Motto des diesjährigen Beethovenfestes lautet »Verwandlungen«. Es spiegelt sich im Festivalprogramm vielfältig wider und stellt Musikformen, Künstler und Komponisten in den Mittelpunkt, die durch eine Neuinterpretation des Werkes von Ludwig van Beethoven ihre Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellen.

Quelle: Beethovenfest Bonn: Geschäftsbericht für die Jahre 2004 bis 2007 sowie Dokumentation der Presse- und Marketingmaßnahmen 2012.

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Eigensinn. Über das Wahre in der Kunst

Unter diesem Motto steht das Beethovenfest Bonn 2012 (7.9.-7.10.)
Seit heute sind Motto und Programm des Beethovenfestes 2012 öffentlich! Die neue Website lädt zum Stöbern ein: www.beethovenfest.de

 

Hintergrund des diesjährigen Mottos ist ein Beethoven-Zitat, das auch in die Gestaltung des aktuellen Plakats Eingang gefunden hat:

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„Wahre Kunst ist eigensinnig, läßt sich nicht in schmeichelnde Formen zwängen.“, notierte Beethoven 1820 in ein Konversationsheft. Unter dem Motto „Eigensinn“ stehen beim Beethovenfest 2012 Musiker im Fokus, die wie Beethoven mit ihren Ideen der Zeit voraus sind und unbeirrt ihren Weg gehen. Mit diesen Grenzgängern, von denen viele dem Festival seit Jahren eng verbunden sind, hat das Beethovenfest Bonn exklusive Programme zusammengestellt. In diesem Jahr sind u.a. Martin Grubinger, Patricia Kopatchinskaja, Lisa Batiashvili, András Schiff, Daniel Hope, das Borodin Quartet, Kit Armstrong und Esa-Pekka Salonen mit dabei.

 

András Schiff beginnt einen zweijährigen Beethoven-Klaviersonaten-Zyklus beim Beethovenfest Bonn 2012, der Beethoven-Streichquartett-Zyklus des Borodin Quartets erstreckt sich über die Festivals 2012 bis 2014. Esa-Pekka Salonen gibt sein Beethovenfest-Debüt mit einem exklusiven Beethoven-Symphonien-Zyklus gemeinsam mit dem Philharmonia Orchestra als eins der drei „Orchestra in Residence“. Weitere Spitzenorchester kehren nach Bonn zurück und es gastieren international renommierte Solisten wie Viviane Hagner, Mojca Erdmann, Susan Graham, Emanuel Ax, Kit Armstrong, Jan Lisiecki und David Orlowsky. Mit dem Kuss Quartett, dem Artemis Quartett, den King’s Singers, dem Hilliard Ensemble, Spark – the Classical Band, Igudesman & Joo und Ursus & Nadeschkin sowie Samy Deluxe & Tsunami Band kommen Ensembles zum Beethovenfest Bonn, die ihre Programme eigensinnig gestalten.

Zu John Cages 100. Geburtstag hat das Beethovenfest exklusiv die Cage-Nacht „In the Bird Cage“ konzipiert, in der u.a. Pierre-Laurent Aimard mit Tamara Stefanovich sowie Yaara Tal und Andreas Groethuysen sowie das Ensemble Spinario mit Darstellern des Freyer Ensembles auftreten und Bonner Schüler Cages „Musicircus“ aufführen.

 

Zwei Jugendorchester kommen erstmals zum Beethovenfest Bonn: Beim Orchestercampus von Deutsche Welle und Beethovenfest Bonn gastiert das Turkish National Youth Philharmonic Orchestra und das Youth Orchestra of Caracas gibt sein Deutschland-Debüt beim Beethovenfest Bonn. Es ist bereits das dritte Orchester aus dem venezolanischen „El Sistema“, das in Bonn auftritt.

 

Die Kartenbuchung ist ab dem 28. März über das Internet möglich.