Aus der Schatztruhe #19 – Gerne gehört beim Beethovenfest: Beethovens achte Symphonie

Beethoven_Letronne_achte Symphonie
Beethoven-Porträt von Louis Letronne aus dem Jahr 1814 (zwei Jahre nach Entstehung der 8. Sinfonie).

Auch wenn die achte Symphonie Ludwig van Beethovens nicht zu seinen meist gespielten Werken gehört, ist sie beim Beethovenfest Bonn ein fester Bestandteil. 1894 wurde sie beim Bonner Festival das erste Mal im Rahmen des ersten Symphonien-Zyklus vom Kölner Gürzenich-Orchester wiedergegeben. Es folgten weitere Aufführungen der Symphonie – zum Beispiel 1974 durch das Los Angeles Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Zubin Mehta oder 1989 durch die Berliner Philharmoniker unter dem Dirigat Lorin Maazels. Im Jahr 2000 kamen Kurt Masur und das London Philharmonic Orchestra sowie Giuseppe Sinopoli und seine Staatskapelle Dresden mit dem Werk nach Bonn und 2003 stand Philippe Herreweghe damit am Pult des Concertgebouworkest Amsterdam. In diesem Jahr wird die Academy of St Martin in the Fields mit ihrem Gründer und Dirigenten Sir Neville Marriner am 4. Oktober in der Beethovenhalle Opus 93 dem Bonner Publikum präsentieren.
Beethovens Hauptarbeit an der achten Symphonie erfolgte unmittelbar nach Abschluss der siebten im Sommer 1812. Beethoven hielt sich zu diesem Zeitpunkt in den böhmischen Bädern auf, wie die Allgemeine Musikzeitung meldet: »L. v. Beethoven, welcher zur Bade- und Brunnenkur erst in Töplitz, dann in Carlsbad sich aufhielt und nun in Eger ist, hat […] wieder zwei neue Symphonien geschrieben«.
Erste Skizzen der neunten Symphonie fallen ebenfalls in diesen Zeitraum und es ist daher häufiger nicht ganz zu Unrecht die Vermutung aufgekommen, Beethoven habe mit seinen drei letzten Symphonien eine Art Triptychon – also dreigeteiltes Gemälde – schaffen wollen, das in einem starken inhaltlichen Zusammenhang steht. Allerdings vergingen dann doch über zehn Jahre bis der Bonner Komponist den Weg zur neunten Symphonie fand. Das Ende der achten Symphonie mit dem scheinbar endlos wiederholten Klang über fünfzig Takte wirkt unter diesem Gesichtspunkt wie ein lang auskomponierter Schlussakkord, der gewissermaßen den Abschluss einer ganzen Epoche markiert bis Beethovens »Neunte« schließlich bahnbrechende neue Wege in der Musikgeschichte einläutete.

Quellen und Literatur:
– Allgemeine Musikzeitung vom 2. September 1812, Bd. 14, hrsg. von Friedrich Rochlitz, Leipzig und Winterthur, hier S. 596f; digitale Quelle (zuletzt aufgerufen am 12.7.13 um 15.42 Uhr)
http://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10527962_00341.html
– Das Werk Beethovens. Thematisch-bibliographisches Verzeichnis seiner sämtlichen vollendeten Kompositionen von Georg Kinsky. Nach dem Tode des Verfassers abgeschlossen und herausgegeben von Hans Halm, 1955/1983 München, insbesondere S. 262.
– Die Beethovenfeste in Bonn 1845-2003. Eine Veröffentlichung des Beethovenhauses und der Internationalen Beethovenfeste Bonn, hrsg. von Manfred van Rey u. a., 2 Bde., Bonn 2003.
– Caeyers, Jan: Beethoven. Der einsame Revolutionär. Eine Biographie, München 2012, insbesondere S. 501.

Aus der Schatztruhe #7 – Romantik pur

Bruckner-1894
Bild: Anton Bruckner 1894

Die achte Symphonie Anton Bruckners ist ein selten aufgeführtes Werk beim Beethovenfest Bonn. Das erste Mal erklang sie 2001 mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin unter der Leitung von Kent Nagano und wurde im Rahmen des Beethovenfestes erst insgesamt drei Mal zur Aufführung gebracht: 2008 unter Lorin Maazel am Pult der New York Philharmonic und 2011 unter Yannick Nézet-Séguin mit dem Rotterdams Philharmonisch Orkest.
An seiner achten Symphonie arbeitete Bruckner insgesamt drei Jahre, wobei jene Schaffensphase vom großen Erfolg der siebten Symphonie geprägt war. Desto enttäuschter muss Bruckner gewesen sein, dass seine engsten Vertrauten jenem Werk ratlos und überfordert gegenüberstanden. Wegen seiner außerordentlichen Ausdehnung – eine Aufführung beansprucht in etwa 80 Minuten  – wird das Werk für gewöhnlich im Rahmen eines Konzertes nur für sich allein aufgeführt.
Es knüpft an die schon von Beethoven zelebrierte Vorstellung des »per aspera ad astra« an, bei dem der Mensch in Auseinandersetzung mit dem Schicksal und dieses bejahend als Sieger hervorgeht. So zählt das Finale jenes imposanten, hochromantischen Werkes zu den gewaltigsten Sätzen, die Bruckner komponierte.
Dieses Jahr wird Christian Thielemann mit der Staatskapelle das von Bruckner 1887 fertiggestellte Werk zum Besten geben. Der gebürtige Berliner war bereits 1999 beim Beethovenfest Bonn und wurde mit dem Orchester der Deutschen Oper und der Aufführung der »Missa solemnis« Beethovens vom Publikum mit Ovationen gefeiert.

Quelle:
Die Beethovenfeste in Bonn 1845-2003. Eine Veröffentlichung des Beethovenhauses und der Internationalen Beethovenfeste Bonn, hrsg. von Manfred van Rey u. a., 2 Bde., Bonn 2003.
Westermann, Gerhart/Schumann, Karl: Knaurs Konzertführer, München/Zürich 1957, 1969.

Dirigent Lorin Maazel zum Mahler-Zyklus 2011

Anlässlich Gustav Mahlers 100. Todestag widmet sich der Dirigent Lorin Maazel in einem Mahler-Zyklus dessen 9 ½ Symphonien. Seit mittlerweile zwei  Jahrzehnten beschäftigt sich Lorin Maazel mit Mahlers Musik und hat inzwischen sogar das Gefühl ihn dadurch persönlich zu kennen. 
Maazel sieht den Komponisten Gustav Mahler als einen vollkommenen oder sogar genialen Menschen, der all seine Emotionen in wunderbare Musik verwandeln konnte.  Die größte Ähnlichkeit zu Mahlers Musik sieht Maazel in Beethovens Schaffen– gerade dessen dramatische Anstrengungen und die Lyrik erkennt man in Mahlers Werken oft wieder.

Weiteres im Video: Mahler: Die Musik

<p>Mahler: Die Musik (Deutsche untertitle) from Philharmonia Orchestra on Vimeo.</p>

Mahler sagte einmal, dass die Symphonie wie eine Welt aufgebaut sein muss– sie muss alles beinhalten. Arnold Schöneberg meinte bewundernd, dass eigentlich schon alles in Mahlers ersten Symphonie da wäre. 
Zu seinen Lebzeiten war der Komponist Gustav Mahler sehr bekannt für seine unkonventionellen Interpretationen, denn Tradition hielt er für Nachlässigkeit oder Trägheit. Auch die Erstaufführung seiner ersten Symphonie war für damalige Verhältnisse sehr originell, denn deren erster Takt begann mit etwas, das bisher so noch nicht gehört worden war – der gespenstischen Heraufbeschwörung aus der Unterwelt…

Weiteres im Video: Mahler: the man

<p>Lorin Maazel on Mahler the Man (Deutsche) from Philharmonia Orchestra on Vimeo.</p>

Auch zu unserem Sonderkonzert am 18. Mai wird Lorin Maazel Mahlers 1. Symphonie aufführen. Wie wird sich wohl Maazels Interpretation des Werkes anhören?