Aus der Schatztruhe #15 – Coriolan – ein Held, der Literatur- und Musikgeschichte schrieb

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Seine Frau und Mutter bitten Coriolanus, Rom zu verschonen. Gemälde von Nicolas Poussin

»The symphony and the overture are wonderfully fine, so that I think I have made a very good bargain […].» (Brief Clementis an Collard vom 22. April 1807)

Offensichtlich verstand sich der englische Musikverleger Muzio Clementi darauf, gute Geschäfte zu machen. Am 20. April 1807 erwarb der gebürtige Italiener für sechs Monate die englischen Exklusivrechte am vierten Klavierkonzert, den Rasumowsky-Quartetten, der vierten Symphonie, dem einzigen Violinkonzert Beethovens und der »Coriolan-Ouvertüre» op. 62. An diesem Geschäft verdiente sich der Verleger eine goldene Nase, denn innerhalb weniger Jahre hat es ihm das Fünfzigfache seiner Investitionen von 1800 Gulden eingebracht.
Ludwig van Beethoven schrieb im Frühjahr 1807 seine Ouvertüre in c-Moll zu »Coriolan« als Schauspielouvertüre zu Heinrich Joseph von Collins gleichnamigem Trauerspiel. Die Handlung, die bereits Titus Livius – ein römischer Geschichtsschreiber zur Zeit Kaiser Augustus – aufgreift, erzählt die Geschichte des römischen Patriziers Coriolanus, der aus seiner Heimatstadt Rom verbannt wird und deshalb Krieg führt, um sich für das vermeintliche Unrecht zu rächen. Obwohl ihn seine Mutter und seine Frau zum Nachgeben bewegen können, endet Collins Drama mit dem Selbstmord des Titelhelden, da er an der Unvereinbarkeit moralischer Grundsätze und menschlicher Schwächen – geprägt von Rachegefühlen – letztlich scheitert. Neben Beethovens musikalischer Rezeption lieferte William Shakespeare mit seiner Tragödie die wohl bekannteste Bearbeitung des Coriolanstoffes.
Bereits beim ersten Beethovenfest Bonn von 1845 wurde die Ouvertüre unter dem Dirigat Franz Liszts aufgeführt und noch viele weitere Mal hier in Bonn zur Aufführung gebracht, so unter anderem 1963 von den Wiener Philharmoniker unter Hans Swarowsky, 1970 von Heribert Beissel mit dem Chur Cölnischen Orchester, 1999 von der Camerata Academica Salzburg und jüngst 2011 vom Gewandhausorchester Leipzig unter Riccardo Chailly.

2013 kommt das World Doctors Orchestra mit seinem Dirigenten Stefan Willich zum Beethovenfest Bonn und hat neben Arien und Duette von Georg Friedrich Händel, Christoph Willibald Gluck, Henry Purcell, Johann Strauß, Michail Glinka und Richard Strauss symphonischer Dichtung »Tod und Verklärung« die »Coriolan-Ouvertüre« mit im Gepäck. Sie »musizieren für den guten Zweck« zugunsten des Dentists for Africa e. V. und des Förderkreises für krebskranke Kinder und Jugendliche Bonn e. V.

https://www.beethovenfest.de/programm/benefizkonzert/869/

Quellen und Literatur:
– Das Werk Beethovens. Thematisch-bibliographisches Verzeichnis seiner sämtlichen vollendeten Kompositionen von Georg Kinsky. Nach dem Tode des Verfassers abgeschlossen und herausgegeben von Hans Halm, 1955/1983 München, insbesondere S. 150-152.
– Caeyers, Jan: Beethoven. Der einsame Revolutionär. Eine Biographie, München 2012, insbesondere S. 404-408.
– Die Beethovenfeste in Bonn 1845-2003. Eine Veröffentlichung des Beethovenhauses und der Internationalen Beethovenfeste Bonn, hrsg. von Manfred van Rey u. a., 2 Bde., Bonn 2003.

Aus der Schatztruhe #1 – Beethovenfest Bonn: „Nur“ Beethoven?

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Queen Victoria (1887)

Mit dieser Frage, die sich bei der Ausrichtung des Musikfestivals immer wieder aufs Neue stellt, sahen sich die Beteiligten des ersten Beethovenfestes von 1845 auch konfrontiert. Es entstand eine Grundsatzdiskussion darüber, ob nur Beethoven oder auch Werke anderer und speziell zeitgenössischer Komponisten auf dem Programmplan stehen sollten. Queen Victoria, die die Auswahl des abschließenden „Künstlerkonzertes“ traf, entschied sich schon damals neben Beethoven für zeitgenössische Kompositionen von Liszt und Mendelssohn.
Auch in diesem Jahr dürfen wir wieder auf viele musikalische Inspirationen gespannt sein, die das Werk des Bonner Revolutionärs in einem ganz neuen Licht erstrahlen lassen werden.

 

L wie Liszt

Beethoven-Blog-Lexikon

„Der Name Beethoven ist heilig in der Kunst.“ 1840 erschien dieser Satz im gedruckten Vorwort zur Klavierpartitur der 5. Symphonie Beethovens. Geschrieben hatte es Franz Liszt (1811-1886), der wohl kaum einen Komponisten mehr verehrte als Beethoven. Sein künstlerisches Leben wurde stark von Beethoven beeinflusst, obwohl er ihn selbst vermutlich nie getroffen hat. Liszt nahm bei Carl Czerny in Wien Unterricht und gab dort auch Konzerte. Lange Zeit hielt sich deshalb auch hartnäckig die Legende des „Weihekuss“, die Beethoven dem Wunderkind Liszt nach einem Konzert 1823 in Wien gegeben haben soll; tatsächlich war Beethoven in dieser Zeit aber schon vollständig ertaubt und besuchte keine Konzerte mehr.

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Bei Czerny lernte Liszt seine ersten Werke Beethovens kennen, die ihn seither nicht mehr losließen –als Pianist, Musiklehrer, Essayist, Dirigent und Verleger. 1836 feierte er einen großen Erfolg mit der Aufführung der bis dahin als unspielbar bezeichneten Hammerklaviersonate. Berlioz nannte Liszt nach dem Konzert einen Ödipus, der das Rätsel der Sphinx gelöst habe. 1837 folgten Liszts vielbeachtete Kammermusiksoireen mit Werken von Beethoven und die ambitionierte Umsetzung der Symphonien 5 bis7 als Klavierwerke.

 

1845 war Liszt nicht nur musikalisch maßgeblich an den dreitägigen Feierlichkeiten zu Beethovens 75. Geburtsjahr beteiligt. Zu dem Fest gehörte die Einweihung der Beethovenstatue auf dem Münsterplatz, die mit stolzen 2.666 Talern (Gesamtkosten 13.000 Taler) von Liszt mitfinanziert wurde.
Liszt kann also als der Begründer des Beethovenfestes gelten und wurde im letzten Jahr zu seinem 100. Geburtstag im Rahmen des Beethovenfestes Bonn 2011 entsprechend gefeiert.

Quelle: Beethoven-Haus Bonn

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Liszt-Porträt von Henri Lehmann