Aus der Schatztruhe #13 – Beethovens einziges Violinkonzert

Arabella Steinbacher spielt Beethovens Violinkonzert

Das Violinkonzert op. 61 nimmt eine besondere Stellung im Schaffen Beethovens ein, da es sein einziges Solokonzert ist, das kein Klavierkonzert ist. 1806 komponiert, widmete es Beethoven seinem treuen Jugendfreund Stephan v. Breuning, der 1774 in Bonn geboren wurde und mit Beethoven gemeinsam Geigenunterricht hatte. Die erste Aufführung des Konzertes fand am 23. Dezember 1806 in einer Akademie des Geigers Franz Clement (1780-1842) statt. Dieser hatte den Komponisten kurz zuvor um ein Konzert für Violine und Orchester gebeten, das Beethoven in nur kurzer Zeit niedergeschrieben haben soll. Die Allgemeine Musikzeitung vom 7. Januar 1807 berichtet über diese erste Aufführung: »Den Verehrern der Beethovenschen Muse dürfte die Nachricht interessant seyn, dass dieser Komponist ein Violinkonzert – soviel ich weiss, das erste – komponirt hat, welches der hiesige beliebte Violinspieler, Klement, in der zu seinem Vortheile gegebnen Akademie mit seiner gewöhnlichen Eleganz und Zierlichkeit vortrug.«

Auch wenn Clement hier in den höchsten Tönen gelobt wird, erlebte das Violinkonzert keinen so bahnbrechenden Erfolg wie andere Werke Beethovens. Zunächst als »unspielbar« abgelehnt, erkämpfte es sich im Laufe des 19. Jahrhunderts einen festen Platz im Repertoire für Violine. So auch beim Beethovenfest Bonn, bei dem es 1871 Joseph Joachim das erste Mal aufführte. Es ist ein fester Bestandteil im Festival-Programm und wurde von Interpreten wie Yehudi Menuhin, Frank-Peter Zimmermann, Christian Tetzlaff, Julia Fischer und Isabelle Faust zu Gehör gebracht. 2011 spielte es die Geigerin Arabella Steinbacher mit dem National Youth Orchestra of Iraq im Rahmen des Orchestercampus von Deutsche Welle und Beethovenfest Bonn und 2013 kommt die Moldawierin Patricia Kopatchinskaja als Artist in Residence mit Beethovens Violinkonzert nach Bonn.

Quellen und Literatur:
http://reader.digitale-sammlungen.de/de/fs1/object/display/bsb10527957_00128.html (zuletzt aufgerufen am 15.5.2013 um 17.25 Uhr)
– Das Werk Beethovens. Thematisch-bibliographisches Verzeichnis seiner sämtlichen vollendeten Kompositionen von Georg Kinsky. Nach dem Tode des Verfassers abgeschlossen und herausgegeben von Hans Halm, 1955/1983 München, insbesondere S. 225ff.
– Die Beethovenfeste in Bonn 1845-2003. Eine Veröffentlichung des Beethovenhauses und der Internationalen Beethovenfeste Bonn, hrsg. von Manfred van Rey u. a., 2 Bde., Bonn 2003

Patricia Kopatchinskaja zu Gast beim Beethovenfest Bonn

Music should be fun sometimes.

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„Man geht hin und man spielt – und dann schaut man, was passiert.“ Dieser Satz der Geigerin Patricia Kopatchinskaja über Konzerte mag entspannt klingen. In Wirklichkeit aber offenbart er ihre Überzeugung von der Einmaligkeit und Unwiederholbarkeit von Musik, die genau in dem Moment des Konzerts entsteht. Eine zweite Chance gibt es nicht. So sieht Kopatchinskaja sich – ungeachtet ihrer preisgekrönten Aufnahmen für das Label Naïve – weiterhin vor allem als Live-Künstlerin, die sich dem Dialog mit dem Publikum und mit den Noten immer wieder aufs Neue stellt. Die 1977 in Moldawien geborene Musikerin, die in frühen Jahren auch viel selbst komponiert hat, gilt als urtümlich, wild und unkonventionell. Sie spielt gern barfuss, verabscheut Schönspielerei und sucht vor allem nach den Emotionen in der Musik. Da kann es schon mal vorkommen, dass sie sich mit dem  Pianisten Fazil Say beim Proben einer Prokofjew-Sonate  tagelang über zwei Töne streitet, weil sie sie keinesfalls „schön“ spielen möchte. Bogengeräusche, Kratzen, Scharren, Knarzen – all das gehört zur Musik dazu, wenn es darum geht, die Geschichte eines Stückes zu erzählen.

Kopatchinskaja stammt aus einer Musikerfamilie, die Mutter selbst Geigerin, der Vater ein bekannter Zymbalspieler, die nach ihrer Emigration nach Wien ganz neu anfangen musste. Die Hochbegabte hat sich durchgebissen, beschreibt aber ihre Kindheit in Moldawien als Kern ihrer selbst. Heute ist sie good-will Botschafterin der Stiftung „Terre des Hommes“ und unterstützt speziell Hilfsprojekte für notleidende Kinder in Moldavien.

Beim Beethovenfest war Patricia Kopatchinskaja schon 2010 im Trio mit Sol Gabetta und Henri Sigfridsson und hatte Beethoven und Schumann im Gepäck. In diesem Jahr kehrt sie mit einem Violinkonzert eines ihrer Lieblingskomponisten, György Ligeti, als Solistin zurück. Schon immer hat sie sich für zeitgenössische Musik begeistert und präsentiert am 17.9.2012 in der Beethovenhalle auch den Kompositionsauftrag von Salvatore Sciarrino für das Beethovenfest Bonn.

Music should be fun sometimes, schreibt sie selbst auf ihrer Website und verweist auf Telemanns Worte:

„Nein, nein es ist nicht g’nug dass nur die Noten klingen
Dass Du der Regeln Kram zu Marckte weist zu bringen.
Gieb jedem Instrument das was es leyden kann.
So hat der Spieler Lust, Du hast Vergnügen dran.“

Wir freuen uns schon jetzt auf ein lustvolles Konzert!

Zur Überbrückung der Wartezeit: > Porträt der Künstlerin bei ttt- Titel, Thesen, Temperamente.