W wie Wien

Beethoven-Blog-Lexikon

Mal ganz davon abgesehen, dass „W wie Wien“ eine wunderbare Alliteration ist, ist Wien auch die Stadt, in der Beethoven den größten Teil seines Lebens verbracht hat. Schon mit 16 Jahren, also im Jahr 1786 fuhr Beethoven zum ersten Mal von Bonn nach Wien. Zum Unterricht bei Mozart kam es nicht, aber als Beethoven sechs Jahre später wieder nach Wien fuhr – diesmal zur Ausbildung bei Joseph Haydn – sollte er bis zu seinem Tod dort bleiben.

 

In diesen 41 Jahren hat er 36 verschiedene Häuser bewohnt. Da er zudem der damaligen Gewohnheit folgte, zu den Sommermonaten aufs Land zu ziehen – nach Baden, Mödling, Döbling, Nussdorf und besonders Heiligenstadt –, kommt Beethoven während seiner Wiener Zeit auf an die 70 Wohnungswechsel. Dies mag durchaus auch auf sein aufbrausendes Wesen und damit einhergehende Schwierigkeiten mit den Nachbarn zurückzuführen sein.

 

Zunächst bewohnte er als Hausgast verschiedene Zimmer im Stadtpalais des Fürsten Lichnowsky (heute Alserstr. 30), einem seiner größten Förderer, und wechselte dann von Wohnung zu Wohnung in der Wiener Innenstadt. Am längsten hielt er es in dem sogenannten Pasqualati-Haus an der Mölkerbastei aus (1804-08 und 1810-13). Da die Wohnung, in der Beethoven lebte, heute in Privatbesitz ist, befindet sich ein Beethoven-Museum in einer Nachbarwohnung. Baron Johann Baptist Pasqualati soll Beethoven sogar eine Wohnung freigehalten haben, wenn dieser mal wieder woanders logierte. Zeitweise hatte Beethoven nämlich auch eine Dienstwohnung im Gebäude des Theaters an der Wien (1803-1806), wo er mit seinem Bruder Kaspar Karl zusammenwohnte. Im Theater an der Wien wurden zu dieser Zeit viele seiner Kompositionen uraufgeführt.

 

Beethovens letzte Wohnstätte sollte das Schwarzspanierhaus unweit des Schottentores werden, das er 1825 bezog und wo er 1827 starb. Recht luxuriös bewohnte er hier ein Wohn-, Musik- und Schlafzimmer, ein Eßzimmer, einen Nebenraum und ein Arbeitszimmer. Sein Grab kann heute neben dem Schuberts auf dem Wiener Zentralfriedhof besucht werden.

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Das Schwarzspanierhaus

Quelle: Beethoven-Haus Bonn: Beethovens Biographie, Beethovens Häuser

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Q wie Quartett

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Q wie Quartett heißt es heute im Beethoven-Blog-Lexikon – und wir brauchen keine Spielkarten dafür. Insgesamt 18 Streichquartette hat Beethoven geschrieben – sein erstes mit 29 Jahren. Die Gattung, die sein Lehrer Joseph Haydn in den 1760er Jahren wesentlich weiterentwickelte, hatte ihn seitdem nicht mehr losgelassen und so war das letzte Werk, das er wenige Monate vor seinem Tod 1826 vollendete, auch ein Streichquartett.

Beethovens erste Streichquartette waren eine Auftragsarbeit für den Fürsten Franz Joseph Maximilian von Lobkowitz und mussten sich mit Haydns Quartetten op. 77 messen, die zur gleichen Zeit an Lobkowitz gingen. Diese sechs Streichquartette von Beethoven wurden unter der Opusnummer 18 zusammengefasst und nach ihrem Erscheinungsdatum durchnummeriert. Das F-Dur Quartett op. 18,1 wurde also zuerst gedruckt, aber das erste Quartett, das Beethoven je komponierte, ist das D-Dur Quartett op. 18,3. Auch Beethoven musste sich erst in dieser Gattung üben und schrieb nach einer Überarbeitung des F-Dur Quartetts einem Freund: „Dein Quartett gieb ja nicht weiter, weil ich es sehr umgeändert habe; indem ich erst jetzt recht Quartetten zu schreiben weiß, was Du schon sehen wirst, wenn Du sie erhalten wirst.“

Hervorzuheben sind desweiteren die drei Rasumowsky-Quartette und die drei Golizyn-Quartette, die jeweils nach ihrem Widmungsträger benannt sind: Graf Andreas Kirillovich Rasumowsky und  Fürst Nikolai Borissowitz Golizyn. Erstere werden unter der Opusnummer 59 zusammengefasst und auch russische Quartette genannt, da sie russische Melodien aufgreifen. Bei ersten Aufführungen in den Jahren 1808/09 war das Publikum zunächst nicht begeistert. Heute jedoch gelten die Rasumowsky-Quartette als Meilenstein in Beethovens Schaffen. Die drei Golizyn-Quartette sind die Quartette Nr. 12 op. 127 , Nr. 13 op. 130 und Nr. 15 op. 132. Wie bei den Rasumowsky-Quartetten stehen auch hier das erste und letzte Quartett in Dur und das mittlere in Moll. Beethovens letzte abgeschlossene Komposition wurde das Streichquartett Nr. 16 F-Dur op. 135.

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Borodin Quartett © Keith Saunders

Beim Beethovenfest Bonn wird das Borodin Quartett, das traditionsreichste und bekannteste russische Quartett unserer Zeit, sich in den nächsten drei Jahren erstmals exklusiv dieser Gattung widmen.

>>Beethoven-Streichquartett-Zyklus

Beethoven-Blog-Lexikon: J wie Joseph

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Gleich mehrere Menschen mit Namen Joseph können mit Beethoven in Zusammenhang gebracht werden: Da ist zum Beispiel Joseph Karl Stieler, der das heute wohl bekannteste Porträt von Beethoven gemalt hat. Oder auch der Kaiser Joseph II – übrigens ein Bruder des Bonner Kurfürsten Maximilian Franz – zu dessen Tod der kaum zwanzigjährige Beethoven 1790 eine Trauerkantate komponierte, die jedoch für lange Zeit in der Schublade verschwand. Im Beethoven-Blog-Lexikon soll aber Beethovens Verhältnis zu einem anderen Joseph im Mittelpunkt stehen: Joseph Haydn. Der Komponist, der 1732 bis 1809 lebte und u.a. in England große Erfolge feierte, kam 1791 auf einer Londonreise über Bonn und begegnete dort dem 21-jährigen Beethoven. In der Redoute in Bad Godesberg – heute immer noch eine der Spielstätten des Beethovenfestes – spielte Beethoven Haydn vor. Resultat war eine zweite Studienreise Beethovens nach Wien mit einem Stipendium des Kurfürsten, wo er Meisterschüler Haydns werden sollte. Schon einmal war er nach Wien aufgebrochen, um Meisterschüler eines großen Komponisten zu werden, aber zu dem Unterricht bei Mozart kam es schlussendlich nicht, und Beethoven kehrte nach Bonn zurück. Anders 1792: Beethoven begann den Unterricht, etablierte sich in Wien und blieb dort. Im Beethoven-Haus Bonn befinden die Briefe zwischen Haydn, Kurfürst Maximilian Franz und Beethoven über den Lernerfolg Beethovens aus dieser Zeit. Beethoven war ein eigensinniger Schüler und nahm zusätzlich noch Unterricht bei Johann Baptist Schenk, Johann Georg Albrechtsberger, Antonio Salieri.

 

Heute ist man sich einig, dass Haydn, Mozart und Beethoven die bedeutsamsten Komponisten der Wiener Klassik waren.

Bild: Joseph Haydn

 

Beim Beethovenfest 2012 spielt das Kuss-Quartett in der Veranstaltung „Haydn und der britische Humor“ Haydns „Preußische Quartette“ 1 und 4. Zudem liest Udo Samel aus Laurence Sterne: „Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman“.

Beethoven-Blog-Lexikon: D wie Diabelli

Bei dem Namen Diabelli werden vielen Beethoven-Liebhabern sofort die Diabelli-Variationen einfallen. Das Antonie Brentano gewidmete Werk opus 120, 33 Veränderungen über einen Walzer von Diabelli C-Dur, ist Beethovens letztes großes Klavierwerk. Wer aber war dieser Diabelli und wie kam es zu den Variationen?

Anton_diabelli

Anton Diabelli (1781-1858) war ein österreichischer Komponist und Verleger. Sein musikalisches Talent wurde von Michael Haydn, Domorganist des Salzburger Doms und Bruder Joseph Haydns, schon früh entdeckt und gefördert. Als Diabelli 1803 nach Wien zog, erhielt er Unterricht von Joseph Haydn und lernte bald auch Beethoven kennen. 1818 gründete er gemeinsam mit Peter Cappi einen Musikverlag, den er ab 1824 erfolgreich allein führte.

Im Jahr 1819 schickte Diabelli rund 50 österreichischen Komponisten besagten Walzer und bat um Variationen hierzu, die in einem Sammelband herausgegeben werden sollten – darunter auch das Wunderkind Franz Liszt (1811-1886) und der zu der Zeit wenig bekannte Franz Schubert (1797-1828). Beethoven notiert noch im selben Jahr einen Großteil seiner Diabelli-Variationen im Wittgensteiner Skizzenbuch, arbeitet dann jedoch lange an der Missa Solemnis und den letzten drei Klaviersonaten, und kehrt erst zum Jahresende 1822 zu dem Werk zurück. Diabelli bittet er um Geduld – soll dieser doch schließlich 40 Dukaten für die Komposition zahlen.

Beethoven schreibt schließlich 86 Seiten. Die Variationen haben eine Spiellänge von 50-60 Minuten und lassen sich in dreimal zehn Variationen und einen Schlussteil mit drei Variationen gliedern. Schon die Quantität zeigt, dass der eigensinnige Komponist sich mitnichten in ein vorgegebenes Muster einfügen wollte. So erscheinen seine Variationen im Jahr 1823 denn auch in einem Band für sich und erst im nächsten Jahr folgt der Sammelband mit den Variationen der anderen österreichischen Komponisten. Dazu Beethovens süffisanter Kommentar in einem späteren Brief an Diabelli, der auf eine Sonate von ihm wartet: „Ihr habt ja ein ganzes Heer Komp.[onisten], die es weit beßer können als ich, gebt jedem einen Takt, welch wundervolles werk ist da zu nicht zu erwarten? – Es Lebe dieser euer Österr. verein, welcher [deinen] SchusterFleck – Meisterl.[ich] zu behandeln weiß –“.

Die von Diabelli selbst hoch geschätzte Original-Handschrift der Diabelli-Variationen befand sich bis zu seinem Tod in seinem Besitz. Im Jahre 2009 konnte das Beethoven-Haus Bonn das wertvolle Manuskript erwerben.

Weitere vom Beethoven-Haus zusammengestellte Informationen finden sich hier.

Hier sind die Diabelli-Variationen in der Interpretation von Andràs Schiff zu hören. Andràs Schiff  wird im Laufe des Beethovenfest Bonn 2012 und 2013 in sechs Konzerten alle 32 Klaviersonaten von Beethoven spielen.

Am 3.10 2012 wird der Preisträger der International Telekom Beethoven Competiton Bonn 2011, Jinnge Yan, die Diabelli-Variationen aufführen.

Quelle: Beethoven-Haus Bonn

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