Organisiertes Chaos in der Cage-Nacht

Philipp Quiring studiert Musikjournalismus an der TU Dortmund, besuchte in diesem Jahr die ACHT BRÜCKEN Schreibschule in Köln und ließ sich auch die Cage-Nacht des Beethovenfestes Bonn 2012 nicht entgehen. Für unseren Blog verfasste er einen Gastbeitrag über die Inszenierung des Freyer Ensembles in der Bundeskunsthalle:

Bundeskunsthalle, Ensemble Spinario, Mitglieder des Freyer Ensembles, Sebastian Wendt & Rupert Huber: Cage I V = a3 – aus Song Books I und II

 

Das Spiel mit Raum, Zeit und Klängen sowie mit Besuchern, die ebenso zum Teil der Inszenierung werden wie die Akteure; all dies findet sich in John Cages Song Books I und II. Ausschnitte wurden vergangenen Samstag in der Bundeskunsthalle Bonn aufgeführt – im Rahmen der großen Cage Nacht, als Höhepunkt des Beethoven-Festivals 2012. Bei den Song Books handelt es sich um eine lose Folge von 92 Soli für Sänger oder Performer.

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Wer Konzepte und Ideen von John Cage kennt, der konnte in der Inszenierung von Rupert Huber, Sebastian Wendt und den Mitgliedern des Spianario und des Freyer Ensembles viele Elemente wiederfinden. Geräusche eines quietschenden Stuhls, Gemüse, das lautstark zerhackt wird, langgehaltene Töne von Sängern und elektronische Sounds waren ebenso wahrzunehmen wie ein Mann, der sich bis auf die Boxershort auszieht und sich von einer Dame in einer Schubkarre durch die Halle fahren lässt, ein Tisch mit zahlreichen Uhren, eine überdimensional große Sonnenbrille sowie Schauspiel, extrovertierter Tanz und vieles mehr. Umringt von den Plastiken Anselm Kiefers – die in ihrer Statik und Ästhetik eine vollkommen gegensätzliche optische Wirkung zum bewegten Treiben entfalteten – wirkte dies im ersten Moment wie das reinste Chaos. Ein Chaos, auf der einen Seite streng nach einem Konzept organisiert: mit Hilfe von „time brackets“ – Zeitklammern, innerhalb derer ein Klang oder eine Pause produziert wird – wurde dem Akteur seine Handlung vorgegeben. Ein Chaos, auf der anderen Seite vollkommen frei: per Zufallsexperiment wurde gewürfelt, wohin sich der Sänger, Schauspieler, Sounddesigner bewegt und welche Handlung als nächstes stattfindet.

Durch die Trennwände in der Mitte der Kunsthalle waren die unterschiedlichen Schauplätze der Inszenierung nicht immer gleichzeitig zu überblicken und es somit für den Besucher unmöglich, alles an Eindrücken aufzunehmen. Im Cage’schen Sinne der Selbstbestimmtheit und Selbstverantwortung des Einzelnen bekam der Besucher die Möglichkeit, für sich selbst zu entscheiden, wo er sich wann aufhalten und was er gerade wahrnehmen möchte. Eine gewisse Neugier und Entdeckerfreude ebenso wie „offene Ohren“ vorausgesetzt, wurde die Ausstellung zu einem einzigen bunten und spannenden Spektakel mit immer wieder neuen überraschenden Impulsen und Wendungen.

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Mittwoch ist Verlosungstag!

Wie schon im letzten Jahr werden wir auch in diesem Jahr wieder jeden Mittwoch ein Geschenk verlosen. Diesen praktischen Klapphocker  gibt es diese Woche zu gewinnen.

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Die Gewinnfrage: Wie alt wäre John Cage in diesem Jahr geworden?

Unter allen richtigen Antworten an marketing@beethovenfest.de bis zum 17. September verlosen wir  einen Beethovenfest-Hocker. Diese Hocker sind nicht nur beim Camping zu gut gebrauchen: Beim Public Viewing auf dem Münsterplatz stehen die Hocker jedes Jahr zum Verleih und sind in diesem Jahr auch bei unserer Cage-Nacht am kommenden Samstag, 15.9.2012  im Einsatz. Da es im Kunstmuseum verschiedene Stationen geben wird, werden die Hocker am Eingang verteilt, so dass man sich nach Belieben ein Plätzchen in den Ausstellungsräumen sichern kann, in denen die Konzerte – z.T. zeitlich parallel – stattfinden. Einfach herrlich bequem!

Bonns „6. Jahreszeit“: Das Beethovenfest

Ab Freitag, 7.9. beginnt in Bonn wieder die sechste Jahreszeit der Region – so jedenfalls bezeichnete Dr. Christof Ehrhart (Deutsche Post DHL) auf der heutigen Auftaktpressekonferenz das Beethovenfest Bonn…

Karten für das Beethovenfest Bonn gibt es hier.

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Umfangreiches Rahmenprogamm mit 106 Veranstaltungen
Insgesamt 174 Veranstaltungen bietet das Beethovenfest Bonn 2012 vom 7. September bis 7. Oktober unter dem Motto „Eigensinn. Über das Wahre in der Kunst“ an. Das Rahmenprogramm hat das Beethovenfest Bonn erneut in Kooperation mit oftmals langjährigen Partnern und Institutionen in der Stadt und internationalen Partnern weltweit zusammengestellt und mit 106 Angeboten nochmals ausgeweitet. Zum Rahmenprogramm gehören Konzerte, Lesungen, Ausstellungen, Diskussionsrunden, Filmvorführungen, Workshops und Education-Projekte, viele der Veranstaltungen sind kostenfrei zugänglich.

Ilona Schmiel, Intendantin des Beethovenfestes Bonn, sagte auf der heutigen Pressekonferenz: „In unseren 68 Konzerten im Hauptprogramm des Beethovenfestes Bonn 2012 beweisen wir und die Künstler programmatischen Eigensinn im positiven Sinne des Wortes: Ob es die Cage-Nacht ist, das Konzert der Deutschen Kammerpilharmonie Bremen unter Leitung von Paavo Järvi mit dem Hilliard Ensemble ist, das des Münchener Kammerorchesters mit Patricia Kopatchinskaja und Alexander Liebreich oder der „olympische“ Beethoven-Symphonien-Zyklus mit Esa-Pekka Salonen und dem Philharmonia Orchestra. Auch die mit vielen Partnern entwickelten 106  Veranstaltungen im Rahmenprogramm sind vielfach eigensinnig.“

Eine Auswahl:

Die Post Tower Lounge Konzerte sind seit 2004 fester und beliebter Bestandteil des Begleitprogramms zum Beethovenfest Bonn. Das Programm der 26 Veranstaltungen in den Räumlichkeiten der Deutschen Post DHL wird vom Beethovenfest Bonn kreiert. Die Deutsche Post DHL ist einer der Hauptsponsoren des Beethovenfestes. Viele der Künstler, die in Post Tower Lounge auftreten, sind im positiven Wortsinn eigensinnig. Es sind individuelle Persönlichkeiten, die etwas Besonderes zu sagen haben, wie Michael Carstens, der bereits in den letzten Jahren zu Gast in der Lounge war. In diesem Jahr lädt er an zwei Abenden in seine Video-Lounge ein. HannaH Walter, die junge Geigerin, trat letztes Jahr mit Michael Carstens in der Post Tower Lounge auf. In diesem Jahr ergründet sie in „Musik und Gespräch“ gemeinsam mit dem Musikjournalisten Christoph Vratz Eric Tanguys „Élégie“. Ebenfalls neu ist die Konzertserie „Kammermusik der Welten“. Drei Konzerte zu den Themen Frankreich, Brasilien und Island widmen sich der Nähe von klassischer und populärer traditioneller Musik. Bereits etabliert sind die Reihen „Junge Bühne“, Kammermusik, Chanson, Lied und die Jazz-Matineen am Sonntagvormittag.

Zu dem Kurzfilmwettbewerb „Look at Beethoven“ gehört erneut eine Filmreihe mit Musikdokumentationen, die sich einzelnen Aspekten des Festivalprogrammes widmen. In „Der Taktstock“ von Michael Wende steht der Beruf des Dirigenten im Mittelpunkt. Teilnehmer des Gustav-Mahler-Dirigentenwettbewerbs werden filmisch begleitet. Herbert Blomstedt, der beim Beethovenfest Bonn 2012 mit der Deutschen Kammerpilharmonie Bremen Beethovens „Missa solemnis“ aufführt, gibt in dem Dokumentarfilm persönliche Einblicke in sein Dirigentendasein (14.9.). Vom Orchestercampus von Deutsche Welle und Beethovenfest Bonn mit dem Turkish National Youth Philharmonic Orchestra inspiriert ist die Vorführung von Fatih Akins „Crossing the Bridge“ (19.9.). Zu John Cages 100. Geburtstag gratuliert das Beethovenfest Bonn mit einer Cage-Nacht am 15. September und der Vorführung des Dokumentarfilms „John Cage – Der Klangtourist“ von Alan Miller (28.9.). „Pianomania“ beschließt die vierteilige Filmreihe. Robert Cibis und Lilian Frank haben den Klavierstimmer und Cheftechniker von Steinway & Sons Stefan Knüpfer begleitet. Sie zeigen ihn unter anderem im Dialog mit Pierre-Laurent Aimard, Lang Lang und Alfred Brendel (29.9.).

Die Sonderausstellung des Beethoven-Hauses Bonn zum Beethovenfest Bonn 2012 beschäftigt sich mit „Beethovens Klaviersonaten“. András Schiff beginnt in diesem Jahr einen auf zwei Jahre angelegten Beethoven-Klaviersonaten-Zyklus; die Ausstellung, die noch bis zum 4. November 2012 zu sehen ist, gibt über Beethovens Originalhandschriften Hinweise auf die Vorstellung, die Beethoven von seinem Werk hatte. Eine zweite Ausstellung, die am 6. September eröffnet und bis zum 9. Oktober gezeigt wird, widmet sich „Schönbergs Beethoven“. 1913 vollendete Arnold Schönberg nach einer elfjährigen Schaffenszeit die „Gurre-Lieder“. Schönberg bezeichnete dieses Werk als Schlüssel zu seiner ganzen Entwicklung, für die auch Beethoven von großer Bedeutung war. Stefan Blunier und das Beethoven Orchester Bonn führen dieses groß besetzte Oratorium für Soli, Chor und Orchester auf Gedichte von Jens Peter Jacobsen am 28. September beim Beethovenfest Bonn 2012 auf.

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Dr. Christof Ehrhart (Direktor Konzernkommunikation und Unternehmensverantwortung Deutsche Post DHL)
Susanne Kessel (Pianistin)


Dr. Christian Meyer (Direktor Arnold Schönberg Center Wien)
Ilona Schmiel (Intendantin des Beethovenfestes Bonn)
Jürgen Nimptsch (Oberbürgermeister der Stadt Bonn)