Beethoven und seine Verleger

breitband härtel verlegerOhne Verlage wäre Beethoven wahrscheinlich heute nicht auf der ganzen Welt bekannt. Druck, Gestaltung und Vertrieb wurde von den Verlagen übernommen. Die Verleger konnten auf ein großes Netzwerk an Kontakten zurückgreifen, über die sie neue Werke noch breiter vertreiben konnten. Beethoven war sehr daran interessiert, seine Werke an die Verlage zu verkaufen. Neben den Einkünften für den Verkauf der Partituren war ihm auch die korrekte Veröffentlichung und die ästhetische Gestaltung der Notenblätter wichtig.

Zu Beethovens Zeit waren nur zwei Methoden der Vervielfältigung möglich: das Abschreiben oder das Kopieren der Originalvorlage. Beethoven selbst war berühmt-berüchtigt für seine chaotische Handschrift. Er musste für jedes Manuskript einen Kopisten engagieren. Da es aber noch kein Urheberrecht oder ähnliches gab, beschäftigte Beethoven seine Kopisten bei sich im Haus oder gab ihnen Partituren nur anteilig mit, um sicherzustellen, dass sie nicht heimlich zusätzliche Kopien seiner Werke anfertigten.

Durch seine fortschreitende Taubheit konnte Beethoven zunehmend weniger Konzerte absolvieren und war von daher auf die Einnahmen aus seinen Partitur-Verkäufen angewiesen. Außerdem war er sich darüber bewusst, dass seine Musik revolutionär war und wollte diese möglichst international verbreiten. Sein zunehmender Erfolg machte ihn zu einem immer geschickteren Verhandlungspartner, so dass er hohe Beträge für seine Werke erzielte. Den Gipfel erreichte seine Taktik, als er die »Missa solemnis« über Jahre acht verschiedenen Verlagen anbot um den Betrag von 1000 Gulden durchzusetzen, was ihm am Ende auch gelang.

Beethoven pflegte durchaus auch engere Kontakte zu den verschiedenen Verlegern. So schätze er den Verlag Breitkopf & Härtel für dessen zeitgenössische Drucktechnik. Manche Werke verkaufte Beethoven exklusiv für eine begrenzte Zeit an den Adel. Nach Ablauf der Frist bot er auch diese Werke den Verlagen an und konnte so ein Vielfaches der Beträge generieren. Die Konkurrenz der Verlage und der zeitgleiche Verkauf in Österreich und z.B. Deutschland gehörte ebenfalls zu Beethovens Strategie. Da Komponisten aber lediglich ein Einmalhonorar erhielten und nicht an späteren Kopien beteiligt wurden, verblieb der Großteil der Gewinne bei den Verlagen. Beethovens Bekanntheitsstatus sorgte allerdings dafür, dass das Ansehen der Verlage stieg sobald sie ein Werk von ihm im Repertoire hatten. So waren auch die hohen Kosten für Beethovens Honorar zu verkraften.

Quelle: Beethoven-Haus Bonn

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Aus der Schatztruhe #9 – Begegnung zweier Legenden

Beethoven_and_Goethe_1812
So stellte sich der Maler Carl Rohling das Treffen von Beethoven und Goethe vor.

Sommer 1812: In Teplitz, dem eleganten böhmischen Bad, 90 Kilometer nordwestlich von Prag, traf sich alles, was in der damaligen Gesellschaft von Rang und Namen war. Auch die Kulturszene war hier vertreten und so ist es nicht verwunderlich, dass das einzige Treffen, welches zwischen Ludwig van Beethoven und Johann Wolfgang von Goethe jemals zustande kam, in jenem Kurort am Fuße des Erzgebirges stattgefunden hat.

In dem recht spärlichen Briefwechsel zwischen beiden Kunstheroen geht eindrücklich die Bewunderung insbesondere von Seiten des zwanzig Jahre jüngeren Beethovens für seinen Weimarer Geistesverwandten hervor. So bittet er Karl August Varnhagen von Ense im Sommer des Jahres 1812, ihm „die 3 Theile Göthe’s wilhelm Meister’s lehrjahr hieher [nach Teplitz] mit dem Postwagen zu schicken“.  In einem Brief an Breitkopf und Härtel vom 8. August 1809 erinnert er den Verleger „Freundschaftlich daran“, ihm „eine Ausgabe Von Göthe’s und Schillers Vollständigen Werken zukommen [zu] laßen“ und einem Bekenntnis gleich formuliert er: „Die zwei Dichter sind meine Lieblings Dichter“.

In zahlreichen Oeuvres lässt sich Beethoven von dem Werk Goethes inspirieren, wobei er Klaviervariationen über das Goethe-Lied »Ich denke dein« (WoO 74) schreibt und in den Liedersammlungen op. 52, op. 75 und op. 83 Verse des Weimarer Dichters vertont – so auch aus der Tragödie »Faust«. Selbst ein Entwurf zu Goethes Ballade »Der Erlkönig« findet sich auf der langen Liste der Goethevertonungen (WoO 131).

Vor allem aber komponierte er in den Jahren 1809/10 im Auftrag des Wiener Hoftheaters die Schauspielmusik zum Trauerspiel »Egmont« op. 84, die er Goethe am 12. April 1811 ankündigt:
„[…] sie werden Nächsten Die Musik zu Egmont von Leipzig Durch Breitkopf und Hertel erhalten, diesen Herrlichen Egmont, den ich, indem ich ihn eben so warm als ich ihn gelesen, wieder durch sie gedacht, gefühlt, und in Musick gegeben habe – ich wünsche sehr ihr Urtheil darüber zu wißen, auch der Tadel wird nur für mich und meine Kunst ersprießlich seyn, und so gern wie das größte Lob aufgenommen werden“.

Offenbar sah Beethoven dem geschätzten Urteil Goethes nicht schnell genug entgegen. So erinnert er den Verlag Breitkopf & Härtel immer wieder daran, den »Egmont« schnellstmöglich nach Weimar zu schicken. Er fragt: „Wann erscheint der Egmont? Schicken sie doch die ganze Partitur meinetwegen abgeschrieben auf meine Kosten [… ] an Göthe, wie kann ein deutscher erster Verleger gegen den ersten deutschen dichter so unhöfflich so grob seyn? Also geschwinde die Partitur nach Weimar.“ (Wien, 9. Oktober 1811)

Während des niederländischen Freiheitskampfes kämpft der flämische Statthalter Graf Egmont an der Spitze der wachsenden Opposition gegen die spanische Fremdherrschaft für Freiheit und Unabhängigkeit, was er am Ende mit seinem Leben bezahlt. Das Werk stellt demnach nicht nur eine Hommage an den geliebten Dichter Goethe dar, sondern in ihm verbinden sich abermals Ideale, wie Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit, die des Öfteren das Oeuvre Beethovens beeinflussten.

Das Beethovenfest Bonn wird 2013 in gleich zwei Konzerten das Werk würdigen.  Zum einen wird das NDR Sinfonieorchester unter der Leitung Thomas Hengelbrocks die Ouvertüre zu Johann Wolfgang von Goethes Trauerspiel »Egmont« aufführen und zum anderen wird es die Klassische Philharmonie Bonn mit Heribert Beissel  zum Besten geben.

http://www.beethovenfest.de/programm/helene-grimaud/846/
http://www.beethovenfest.de/programm/klassische-philharmonie/868/

Quellen und Literatur:

– Ludwig van Beethoven. Briefwechsel. Gesamtausgabe in 7 Bde., hrsg. von Sieghard Brandenburg, München 1996-1998, insbesondere Bd. 2 (1996): 1808-1813.

– Das Werk Beethovens. Thematisch-bibliographisches Verzeichnis seiner sämtlichen vollendeten Kompositionen von Georg Kinsky. Nach dem Tode des Verfassers abgeschlossen und herausgegeben von Hans Halm, 1955/1983 München, insbesondere S. 225ff.

– Caeyers, Jan: Beethoven. Der einsame Revolutionär. Eine Biographie, München 2012, insbesondere S. 456ff.