Aus der Schatztruhe #21 – »Rheinromantik« beim Beethovenfest Bonn

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Am Rhein bei Nonnenwerth, Landschaftsbild von Julius Lange, 1850.

1874 entstanden und 1878 bis 1880 tiefgreifend umgearbeitet ging die Vierte Symphonie Anton Bruckners als »Romantische« in die Musikgeschichte ein. Bruckners wohl populärstes Werk wurde zusammen mit der Siebten noch zu Lebzeiten des Komponisten von allen Symphonien am häufigsten aufgeführt und schon der Uraufführung am 20. Februar 1881 war ein großer Erfolg beschieden. Doch was verstand Bruckner, der sein Werk selbst als »Romantische«betitelte, unter diesem Begriff? Einflüsse, insbesondere Richard Wagners »romantischer Oper« Lohengrin, spielen hierbei eine wichtige Rolle. Für Bruckner gilt sie als Inbegriff der Romantik und er verband damit die Vorstellung des Wunderbaren, Geheimnisvollen, aber auch zutiefst Religiösen und Reinen. Besonders der erste Satz folgt der Vorstellung einer romantischen Gedankenwelt, die typischerweise im Mittelalter angesiedelt ist: Eine »mittelalterliche Stadt«, die in der »Morgendämmerung« erwacht. Ihre Stadttore öffnen sich und auf »stolzen Rossen sprengen die Ritter hinaus ins Freie, der Zauber der Natur umfängt sie […]«. Vergleicht man Regieanweisungen aus »Lohengrin« und »Siegfried« wird die Parallele deutlich.
Beim Beethovenfest Bonn gehört das Werk – trotz seiner Popularität – zu den weniger gespielten Kompositionen. Erstmals 1992 durch die Wiener Philharmoniker unter der Leitung Claudio Abbados aufgeführt, wird die Vierte Symphonie 2013 im Rahmen des Beethovenfestes nun zum vierten Mal dem Bonner Publikum präsentiert. Thomas Hengelbrock kommt mit seinem NDR Sinfonieorchester am 8.9. mit der Erstfassung von 1874 nach Bonn. Gibt es einen besseren Ort als diesen am Rhein gelegenen, um das hochromantische Werk aufzuführen? So reflektiert der Begriff »Rheinromantik« jene Stimmung, die der Fluss in zahlreichen Schriftstellern und Künstlern der romantischen Epoche hervorrief.

Literatur:
– Die Beethovenfeste in Bonn 1845-2003. Eine Veröffentlichung des Beethovenhauses und der Internationalen Beethovenfeste Bonn, hrsg. von Manfred van Rey u. a., 2 Bde., Bonn 2003.
– Floros, Constantin: Anton Bruckner, in: Geschichte der Musik, hrsg. v. Michael Raeburn und Alan Kendall, Bd. 3: Die Hochromantik, München 1993, S. 211-223, hier besonders: S. 218f.

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Aus der Schatztruhe #7 – Romantik pur

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Bild: Anton Bruckner 1894

Die achte Symphonie Anton Bruckners ist ein selten aufgeführtes Werk beim Beethovenfest Bonn. Das erste Mal erklang sie 2001 mit dem Deutschen Symphonie-Orchester Berlin unter der Leitung von Kent Nagano und wurde im Rahmen des Beethovenfestes erst insgesamt drei Mal zur Aufführung gebracht: 2008 unter Lorin Maazel am Pult der New York Philharmonic und 2011 unter Yannick Nézet-Séguin mit dem Rotterdams Philharmonisch Orkest.
An seiner achten Symphonie arbeitete Bruckner insgesamt drei Jahre, wobei jene Schaffensphase vom großen Erfolg der siebten Symphonie geprägt war. Desto enttäuschter muss Bruckner gewesen sein, dass seine engsten Vertrauten jenem Werk ratlos und überfordert gegenüberstanden. Wegen seiner außerordentlichen Ausdehnung – eine Aufführung beansprucht in etwa 80 Minuten  – wird das Werk für gewöhnlich im Rahmen eines Konzertes nur für sich allein aufgeführt.
Es knüpft an die schon von Beethoven zelebrierte Vorstellung des »per aspera ad astra« an, bei dem der Mensch in Auseinandersetzung mit dem Schicksal und dieses bejahend als Sieger hervorgeht. So zählt das Finale jenes imposanten, hochromantischen Werkes zu den gewaltigsten Sätzen, die Bruckner komponierte.
Dieses Jahr wird Christian Thielemann mit der Staatskapelle das von Bruckner 1887 fertiggestellte Werk zum Besten geben. Der gebürtige Berliner war bereits 1999 beim Beethovenfest Bonn und wurde mit dem Orchester der Deutschen Oper und der Aufführung der »Missa solemnis« Beethovens vom Publikum mit Ovationen gefeiert.

Quelle:
Die Beethovenfeste in Bonn 1845-2003. Eine Veröffentlichung des Beethovenhauses und der Internationalen Beethovenfeste Bonn, hrsg. von Manfred van Rey u. a., 2 Bde., Bonn 2003.
Westermann, Gerhart/Schumann, Karl: Knaurs Konzertführer, München/Zürich 1957, 1969.