Tweetup-Blogging Teil 2: der Dirigent Philippe Jordan

Mit 40 Jahren kann Philippe Jordan bereits auf eine steile Karriere zurückblicken. Als Musikdirektor der Pariser Oper und Chefdirigent der Wiener Symphoniker zählt er zu den gefragtesten Dirigenten seiner Generation.

Mit sechs Jahren begann er seine musikalische Ausbildung am Klavier. Schon bald darauf wurde er Mitglied der Zürcher Sängerknaben und fing außerdem an Violine zu spielen. Mit nur sechzehn Jahren nahm er ein Studium der Klavierpädagogik auf, das er mit Auszeichnung abschloss. Seine Klavierstudien vertiefte er bei Karl Engel, während er am Zürcher Konservatorium Musiktheorie und Komposition bei Hans Ulrich Lehmann studierte.

Nach seinem Studienabschluss 1994, mit nur 20 Jahren, assistierte er Jeffrey Tate am Théâtre de Châtelet in Paris bei der Einstudierung von Richard Wagners Ring des Nibelungen. Es folgte ein Engagement in Ulm, wo er schon bald zum ersten Kapellmeister aufstieg. Ein wichtiger Schritt auf der Karriereleiter war seine Anstellung als Assistent von Daniel Barenboim an der Deutschen Staatsoper Berlin von 1998 bis 2002, wo er schließlich als Principal Guest Conductor von 2006 bis 2010 tätig war. Zuvor war er in Graz als Chefdirigent engagiert.
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Seit 2009 ist Philippe Jordan musikalischer Direktor der Opéra National in Paris, seit 2014 außerdem Chefdirigent der Wiener Symphoniker. Er dirigierte bereits bei einigen der wichtigsten internationalen Opernhäuser und Festivals, in Glyndebourne, Salzburg und Aix-en-Provence. Aber auch als Pianist oder Begleiter für Kammermusik ist er ein gefragter Musiker.

In Wien widmete Jordan sich in der vergangenen Saison den Symphonien von Schubert, Bachs großen Oratorien und zeitgenössischen Kompositionen. Als Operndirigent wird er in Paris und München mit Neuproduktionen zu sehen sein.

»Es wird sehr direkt und kraftvoll sein, so wie Beethoven…« – Interview mit der chinesischen Komponistin Zulan

Zulan, Sie komponieren und musizieren mit Ihrer Band »Mongolism« – welche Elemente bringen Sie in Ihrer Musik zusammen?

Unsere Band kombiniert hauptsächlich mongolische Kultur, Musik, mit modernen westlichen Kompositionstechniken, um eine neue musikalische Form zu erschaffen.

Sind die Musiker Ihrer Band selbst Mongolen, mit mongolischer Musik vertraut?

Außer dem Cellisten sind alle Musiker in der Band aus der Inneren Mongolei.

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Was ist das Besondere, für Sie Reizvolle, an der mongolischen Musik?

Erstens hat die mongolische Musik ihre eigenen akustischen Ausdrucksmöglichkeiten. Es gibt Stücke, die nur mit mongolischen Instrumenten gespielt werden, z. B. Pferdekopfgeige Morin Khuur oder andere mongolische (Schlag-, Blas- oder Streich-)Instrumente. Das zweite Merkmal  ist die Vokalmusik, das Singen. Es gibt traditionelle Urtyn Duu und  unterschiedliche Formen von mongolischem Kehlgesang/Kehlkopfgesang. Aber egal, in welcher Form sie präsentiert wird, hat mongolische Musik ein prägendes Merkmal: die Harmonie ist zentral (akkordisch/mehrstimmig, nicht melodie-betont, Anm. Redaktion). Nehmen wir als Beispiel den mongolischen Kehlkopfgesang: Der Darsteller erzeugt zwei Stimmen, einen Grundton und gleichzeitig die Obertöne und baut somit Harmonien auf. Es ist eine Harmonie-betonte Musik   Auch Morin chuur (mongolische Pferdekopfgeige) spielt mit anderen Instrumenten nach harmonischen Prinzipien zusammen.

In Ihrer Musik ist das mongolische Element so stark, Ihre Band heißt sogar »Mongolism« – wie reagieren die Menschen in Peking, in China auf diesen mongolischen Stil?

Wir kombinieren mongolische Musik und westliche Avantgarde- Musik, so dass eine Art von akademischer Musikentsteht. Die Menschen empfinden, dass es etwas ganz anderes ist. Dieses Andersartige gilt nicht nur deshalb, weil es  mongolische Kultur ist, sondern auch wegen der Art und Weise der Kombination.

Spricht diese Musik, diese Kombination die Menschen an, gefällt sie dem Publikum?

Ja, sie mögen das. Sie finden es speziell und seltsam, denn sie können nicht zur Musik tanzen und singen. Sie können nur fühlen, was wir ihnen anbieten. Für die Zuhörer hier ist diese Musik  schön und sehr mächtig. Es ist nicht die Art Unterhaltungsmusik, die man sich anhört, nach Hause fährt und nachsummt.

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Nun arbeiten Sie in den Campus-Projekt mit dem Bundesjugendorchester zusammen und haben im Autrag der Deutschen Welle für dieses Orchester eine Komposition geschrieben. Das ist eine noch weit reichendere Kombination: Großes Orchester und Kamemrmusik, China und Deutschland. Was bedeutet diese Zusammenarbeit für Sie?

Es stimmt, mit  dem Deutschen Jugendorchester zusammen zu arbeiten, für sie ein Stück zu komponieren, ist eine neue Entwicklung und eine neue Herausforderung für mich und meine Musik.  Ein großes Orchester spielt ein Stück mongolische Musik, das macht diese Musik schon in meiner Vorstellung lauter. Und ich habe dadurch auch mehr Möglichkeiten, meine Ideen zu verwirklichen.

Der Titel der Auftragskomposition ist »Amila« – Auch Ihr Sohn heißt »Amila«, – was bedeutet dieser Name?

Es gibt zwei Gründe: 1. Es hat tatsächlich mit meinem Sohn zu tun, mein Lebensgefühl, meine Rolle im Leben hat sich durch seine Geburt sehr verändert. Deshalb wollte ich gerne ein Stück schreiben, das sich auf ihn bezieht. »Amila« heißt auf mongolisch »Gibt Leben«. Ich finde, dass dieses Wort einen besonderen Sinn hat. Unsere Kooperation mit dem Orchester ist es auch eine neue Schöpfungs-Phase für mich, deshalb finde ich diesen Name sehr passend.

Der Kontext Ihrer Zusammenarbeit mit dem Bundesjugendorchester und der DW-Auftragskomposition ist das Beethovenfest. Ihr Werk wird beim Beethovenfest Bonn uraufgeführt, in der Geburtsstadt Beethovenfest.  Im Januar waren Sie in Bonn und haben die Stadt Bonn und Beethovens Geburtshaus erlebt. Was hat das bei Ihnen ausgelöst?

Ich war in Bonn, habe das Beethoven-Haus besichtigt, es hat mich näher an Beethoven gebracht. Ich fühle seine Sehnsucht nach Leben. Ich habe sein Haus gesehen: In meiner Vorstellung war er ein kleiner und schwacher Mann, der  aber viel erlebt hat. Ich habe viele seiner Portraits in seinen unterschiedlichen Phasen gesehen, habe seine Veränderungen gesehen, insbesondere nachdem  er taub geworden war. Aber seine Stücke bleiben immer sehr lebendig, und diese Lebenskraft will ich auch in meiner Komposition betonen.

Können Sie das ausführen – was bedeutet Beethovens Musik für Sie, welche Gefühle löst sie bei Ihnen aus?

Ich habe  viel Musik von vielen Komponisten gehört. Bis heute ist Beethoven ein Klassiker unter den Komponisten. Ich mag ihn persönlich sehr gerne, die Kraft in seiner Musik und die direkte Ausdrucksweise passen zu meinem musikalischen Geschmack.
Um eine Atmosphäre zu erzeugen, wählt er starke und direkte Klänge. Wenn ich komponiere,  je nachdem was ich schreibe, bevorzuge ich auch, starke Gefühle und Leidenschaft auszudrücken.

Neben dem Kompositionsauftrag für das Bundesjugendorchester werden Sie und Ihre Band auch ohne Orchester auftreten. Was erwartet die Zuhörer?

In Berlin wird unsere Band Mongolism ein Konzert geben. Es wird sehr direkt und kraftvoll sein, so wie Beethoven… Es wird  mongolische Musik geben, kombiniert mit modernen westlichen Musik-Techniken.

Sie betonen das Kraftvolle, Mächtige in der mongolischen Musik. Was wir im Westen von dieser Musik kennen, ist sehr männlich besetzt. Ist das für Sie als Frau eine besondere Herausforderung?

Mongolischer Komponist zu sein ist etwas Besonderes. Aber jeder echte Mongole ist ein Musiker. Sie können zu jeder Zeit alle Gegenstände als Musikinstrument benutzen. Und wenn sie den Mund aufmachen, können sie schon singen. Mongolen mögen es, Kraft und Esprit zu zeigen, auch wenn man kein Komponist ist. Kraft und Esprit sind sehr wichtig, nicht nur für Komponisten, auch für Nomaden. Ihr Lebensraum ist schwierig, sie müssen innerlich stark sein, aber auch körperlich stark sein. Nur dann kannst du in dieser Umgebung überleben.

Beim Campusorchester am 25.09.2015 wird Zulan mit Ihrer Gruppe Mongolism und dem Bundesjugendorchester eigene Werke, Ludwig van Beethovens Konzert für Klavier und Orchester Nr. 3 c-Moll op. 3 und Sergei Prokofjews Symphonie Nr. 1 aufführen.  

Das Interview führte Adelheid Feilcke von der Deutschen Welle am 24. Juli 2015 in Peking.

Neue CD von Marialy Pacheco zu gewinnen!

Foto: Sabine Kühne

Foto: Sabine Kühne

Am 1.Oktober 2014 bringt die kubanische Pianistin Marialy Pacheco im Rahmen des Beethovenfestes eine Mischung aus Jazz, Improvisationen und den Rythmen Kubas nach Bonn. Zusammen mit weiteren klassisch ausgebildeten Musikern stellt Marialy Pacheco ihr neues Album »Introducing« vor, das eindrucksvolle Jazz-Kompositionen enthält. Marialy Pachecos besonderes Spiel, das zwischen ergreifender Intensivität und unbeschwerten, zarten Klängen changiert, brachte ihr als erster Frau überhaupt den Montreux Jazzfestival Award ein. Ihre musikalischen Vorbilder, wie Ruben Gonzales, Oscar Peterson und Keith Jarrett, lassen sich in Pachecos Musik erkennen, gleichzeitig gelingt der Kubanerin ein ganz eigener Ansatz des Latin Jazz.

Wer sich bereits jetzt auf das Konzert im Oktober einstimmen möchte, der ist hier genau richtig. Wir verlosen Marialy Pachecos neues Album unter allen Gewinnspielteilnehmern, die folgende Frage richtig beantworten können:

Welchen Preis hat Marialy Pacheco als erste Frau gewonnen?

Für die Teilnahme einfach eine Email mit der richtigen Lösung und dem Betreff »Verlosung CD Marialy Pacheco« bis zum 31. Juli 2014 an marketing@beethovenfest.de schicken.

Wir wünschen allen Teilnehmern viel Glück!

Das neue Video von Marialy Pacheco mit Hintergrundinformationen zur neuen CD und Interviews mit der Künstlerin und ihren Kollegen finden Sie hier.
Mehr Informationen zu dem Konzert von Marialy Pachecho.