»DER HIMMEL WEISS, WIE ES WEITERGEHEN WIRD!« (Beethoven) Nr. 11

WEISS ER DAS? Fragen zu Ludwig van Beethovens Oper »Fidelio« von Jan Müller-Wieland

Jan Müller-Wieland: Die politischen Verhältnisse im Stück sind außerordentlich brutal. Verherrlicht eine Tonsprache dies nicht automatisch und unfreiwillig? Kann ein künstlerischer Duktus dies überhaupt unbeschönigend einfangen? Und wird so nicht auch Gewalt verharmlost?

Detlef Roth: Das ist ein Problem jeder Musik, die sich auch nur entfernt mit politischen Aussagen befasst. Damit wären wir wieder bei Henze und Frage 19. Ich persönlich kann eine Verherrlichung der politischen Verhältnisse im »Fidelio« keineswegs erkennen – die Gefahr besteht bei Beethoven auch insofern nicht, als man das gesamte Werk als Einheit betrachten muss und da ist der Schluss in seiner positiven Aussage eindeutig genug. Problematisch wird es immer, wenn sich Politik einer Musik für ihre Zwecke bedient – dann bekommt man sehr schnell ein Problem. Ich bin mir sicher, dass Beethoven zu keinem Zeitpunkt Gewalt in irgendeiner Form verharmlosen wollte – zu diesem Zweck ist der »Fidelio« sicher nicht geschrieben worden. Generell kann man das aber bei musikalischen Werken nicht immer ausschließen.

Evgeny Nikitin: Es geht um den Kontrast. Die Schönheit der Musik unterstreicht den Schrecken dieser Geschichte. Zauberhafte Harmonien lassen das Unschöne und Blutige noch hässlicher erscheinen. Dabei wirken die edlen Gefühle der Helden noch stärker und erhabener.

Jan Müller-Wieland: Ist »Fidelio« – im Sinne Schillers – naiv oder sentimental? Oder beides? Oder weder noch?

Evgeny Nikitin: Wie generell in der Romantik mangelt es hier an Naivität.

Jan Müller-Wieland: Wo ist für Sie der genialste Moment im Stück? Und wo der Schwierigste?

Evgeny Nikitin: Als Egozentriker halte ich die Arie von Pizarro für den genialsten Moment in der Oper und die Partie – für die Schwierigste.

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