Fagott und »Zauberflöte«

Das Ensemble Satyros präsentierte Mozarts Oper im Rahmen des Beethovenfests in der Bonner Post Tower Lounge vor 130 Grundschülern.

Dass eine ganze Oper in drei Koffer passt, bewies das Berliner Fagottduo Satyros am 16. September bei einer Sonderaufführung für Kinder während des Bonner Beethovenfests in der Post Tower Lounge. Mozarts »Die Zauberflöte« stand auf dem Programm. Es war eines von insgesamt 26 Konzerten, das die Deutsche Post DHL bis Anfang Oktober als kostenloses Rahmenprogramm in der Post Tower Lounge anbietet. Auf eine Spiellänge von knapp einer Stunde eingedampft, zeigten Adrian Rovatkay und Christian Walter die Liebesgeschichte in ungewohnter Leichtigkeit – nur mit Hilfe ihrer zwei Instrumente und drei Koffern voll ungewöhnlicher Requisiten.

Oper in Handgepäckformat

Die beiden Bläser, die ein ganzes Orchester inklusive Sänger ersetzen, leisten bei diesem Projekt ganze Arbeit und bescherten den Zuhörern die weltbekannten Melodien in einem neuen Sound. Unterstützt wurde das Duo von Schauspieler Andreas Walter, der in rasantem Wechsel in viele verschiedene Rollen schlüpfte. Die Opernversion „in Handgepäckformat“ richtet sich insbesondere an Kinder. So waren am Montag insgesamt 130 Schüler von vier verschieden Grundschulen – darunter die Bonner Marienschule, die Siegburger Hans-Alfred-Keller-Schule, die Bad Godesberger Siebengebirgsschule sowie die Swistbachschule aus Swisttal-Heimerzheim – in die Post Tower Lounge gekommen, um die Liebesgeschichte von Prinz Tamino und der schönen, entführten Pamina, der Tochter der Königin der Nacht, zu sehen. »Erwachsene lachen nicht in der Oper. Kinder dagegen sind einfach ehrlich: Die fangen an zu lachen, wenn es lustig ist und die langweilen sich, wenn es langweilig ist«, sagt Andreas Walter auf die Frage, welchen Unterschied es macht, ob im Publikum Erwachsene oder Kinder sitzen. Aber was bedeutet das für das Ensemble? »Das bedeutet, dass wir alles geben müssen«, sagt Christian Walter. Man müsse den direkten Kontakt mit den Kindern suchen um sie abzuholen.

Gemeinsam Mozarts »Hits« gebannt lauschen

Die Grundschüler lassen sich an diesem Montag gerne auf eine Reise in unbekannte Opernwelten mitnehmen. Wegen der märchenhaften Handlung und der eingängigen Musik eignet sich Mozarts letzte Oper besonders dazu, Kindern klassische Musik nahezubringen.
Die Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren lauschten Mozarts »Hits« – Papagenos Arie »Der Vogelfänger bin ich ja«, die »Königin der Nacht«-Arie und das Duett von Papageno und Papagena –, und folgten gebannt den drei gefährlichen Prüfungen, die Tamino bestehen muss, um am Ende seine Pamina in die Arme schließen zu können. Die komplexe Geschichte ist in der Fassung des Satyros-Ensembles kindgerecht entrümpelt. Dabei ist ihnen nichts heilig: Sie lassen im wahrsten Sinne des Wortes die Puppen tanzen. Am Ende regnet es Konfetti. »Die Kinder an die bekannten Melodien heranzuführen, ist für uns ein wichtiger Kulturauftrag«, bringt es Fagottist Adrian Rovatkay auf den Punkt. Barbara Lensing ist Lehrerin an der Marienschule. Mit ihren Schützlingen hat sie sich gründlich auf die Veranstaltung vorbereitet, hat mit ihnen über »Die Zauberflöte« und ihren Komponisten gesprochen und ihnen das Genre Oper durch Hörbeispiele näher gebracht. Sie ist froh, dass es solche außerschulische Angebote angesichts knapper Haushaltetats für ihre Schüler gibt. »Wissen Sie, ich habe Kinder bei mir in der Klasse, die heute Morgen ohne Jacke zur Schule gekommen sind. Da ist es schön, wenn man ihnen für kurze Zeit einen Einblick in eine andere Welt zeigen kann.«

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