M wie Missa solemnis

Beethoven-Blog-Lexikon

Beethovens Messe in D-Dur für vier Solostimmen, Chor, Orchester und Orgel op. 123 ist besser bekannt als Missa solemnis, was so viel heißt wie feierliche Messe. Beethoven hielt die Missa solemnis für sein bedeutendstes Werk. Grund genug, ihr den heutigen Eintrag im Beethoven-Blog-Lexikon zu widmen. (Hörbeispiele hier)

Im Jahr 1807 schrieb Beethoven seine erste Messe, die C-Dur-Messe op. 86, im Auftrag von Fürst Nikolaus II. von Esterházy und stand bei dieser Gattung in direktem Vergleich zum großen Haydn. Esterházys Urteil fiel vernichtend aus: „Die Messe von Beethoven ist unerträglich,
lächerlich und scheußlich, ich bin nicht davon überzeugt, daß sie überhaupt anständig
aufzuführen wäre; ich bin deshalb wütend und beschämt.“

Erst zwölf Jahre später sollte sich Beethoven wieder an eine Messe wagen. Anlass war die Ernennung des Erzherzogs Rudolph – ein Freund, Schüler und Gönner Beethovens (siehe auch Beethoven-Blog-Lexikon G wie G-Dur-Konzert) – zum Erzbischof von Olmütz. Tatsächlich brauchte Beethoven für die Missa solemnis sehr viel länger als geplant und hielt sowohl Verleger als auch Erzbischof Rudolph immer wieder hin.

Erzbischof Rudolph erhielt erst drei Jahre nach seiner Inthronisation die fertige Messe, die in die traditionellen fünf Sätze Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus und Agnus Dei aufgeteilt ist. Uraufgeführt wurde sie am 7. April 1824 in St. Petersburg. Im selben Jahr konnte Beethoven sie für 1000 Gulden an den Mainzer Verlag Schott verkaufen. Ebenfalls an Schott ging die 9. Sinfonie für 600 Gulden, wie Beethovens Autorisation zeigt.

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Die Stichvorlage zur Missa solemnis – eine Abschrift von 440 Seiten, die zahlreiche handschriftliche Eintragungen Beethovens enthält – befindet sich heute im Besitz des Beethoven-Hauses Bonn. Da die Originalabschrift nicht mehr vollständig erhalten ist, ist gerade diese Stichvorlage für die Quellenforschung sehr wichtig. Beethoven lieferte sie 1825 an den Schott-Verlag nach – mit der Begründung: „die alte partitur war zu beschmiert um ihnen zu schicken, die neue ist auf‘s sorgfältigste durchgesehn worden, wahrlich keine kleine Mühe bey einem Kopisten, der kaum versteht, was er schreibt!“

Beim Beethovenfest wird die „Missa solemnis“ am 14.9. unter der Leitung von Herbert Blomstedt aufgeführt: http://www.beethovenfest.de/programm/Blomstedt-Missa-Solemnis/640/

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