Tweetup-Blogging Teil 2: der Dirigent Philippe Jordan

Mit 40 Jahren kann Philippe Jordan bereits auf eine steile Karriere zurückblicken. Als Musikdirektor der Pariser Oper und Chefdirigent der Wiener Symphoniker zählt er zu den gefragtesten Dirigenten seiner Generation.

Mit sechs Jahren begann er seine musikalische Ausbildung am Klavier. Schon bald darauf wurde er Mitglied der Zürcher Sängerknaben und fing außerdem an Violine zu spielen. Mit nur sechzehn Jahren nahm er ein Studium der Klavierpädagogik auf, das er mit Auszeichnung abschloss. Seine Klavierstudien vertiefte er bei Karl Engel, während er am Zürcher Konservatorium Musiktheorie und Komposition bei Hans Ulrich Lehmann studierte.

Nach seinem Studienabschluss 1994, mit nur 20 Jahren, assistierte er Jeffrey Tate am Théâtre de Châtelet in Paris bei der Einstudierung von Richard Wagners Ring des Nibelungen. Es folgte ein Engagement in Ulm, wo er schon bald zum ersten Kapellmeister aufstieg. Ein wichtiger Schritt auf der Karriereleiter war seine Anstellung als Assistent von Daniel Barenboim an der Deutschen Staatsoper Berlin von 1998 bis 2002, wo er schließlich als Principal Guest Conductor von 2006 bis 2010 tätig war. Zuvor war er in Graz als Chefdirigent engagiert.
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Seit 2009 ist Philippe Jordan musikalischer Direktor der Opéra National in Paris, seit 2014 außerdem Chefdirigent der Wiener Symphoniker. Er dirigierte bereits bei einigen der wichtigsten internationalen Opernhäuser und Festivals, in Glyndebourne, Salzburg und Aix-en-Provence. Aber auch als Pianist oder Begleiter für Kammermusik ist er ein gefragter Musiker.

In Wien widmete Jordan sich in der vergangenen Saison den Symphonien von Schubert, Bachs großen Oratorien und zeitgenössischen Kompositionen. Als Operndirigent wird er in Paris und München mit Neuproduktionen zu sehen sein.

»Es wird sehr direkt und kraftvoll sein, so wie Beethoven…« – Interview mit der chinesischen Komponistin Zulan

Zulan, Sie komponieren und musizieren mit Ihrer Band »Mongolism« – welche Elemente bringen Sie in Ihrer Musik zusammen?

Unsere Band kombiniert hauptsächlich mongolische Kultur, Musik, mit modernen westlichen Kompositionstechniken, um eine neue musikalische Form zu erschaffen.

Sind die Musiker Ihrer Band selbst Mongolen, mit mongolischer Musik vertraut?

Außer dem Cellisten sind alle Musiker in der Band aus der Inneren Mongolei.

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Was ist das Besondere, für Sie Reizvolle, an der mongolischen Musik?

Erstens hat die mongolische Musik ihre eigenen akustischen Ausdrucksmöglichkeiten. Es gibt Stücke, die nur mit mongolischen Instrumenten gespielt werden, z. B. Pferdekopfgeige Morin Khuur oder andere mongolische (Schlag-, Blas- oder Streich-)Instrumente. Das zweite Merkmal  ist die Vokalmusik, das Singen. Es gibt traditionelle Urtyn Duu und  unterschiedliche Formen von mongolischem Kehlgesang/Kehlkopfgesang. Aber egal, in welcher Form sie präsentiert wird, hat mongolische Musik ein prägendes Merkmal: die Harmonie ist zentral (akkordisch/mehrstimmig, nicht melodie-betont, Anm. Redaktion). Nehmen wir als Beispiel den mongolischen Kehlkopfgesang: Der Darsteller erzeugt zwei Stimmen, einen Grundton und gleichzeitig die Obertöne und baut somit Harmonien auf. Es ist eine Harmonie-betonte Musik   Auch Morin chuur (mongolische Pferdekopfgeige) spielt mit anderen Instrumenten nach harmonischen Prinzipien zusammen.

In Ihrer Musik ist das mongolische Element so stark, Ihre Band heißt sogar »Mongolism« – wie reagieren die Menschen in Peking, in China auf diesen mongolischen Stil?

Wir kombinieren mongolische Musik und westliche Avantgarde- Musik, so dass eine Art von akademischer Musikentsteht. Die Menschen empfinden, dass es etwas ganz anderes ist. Dieses Andersartige gilt nicht nur deshalb, weil es  mongolische Kultur ist, sondern auch wegen der Art und Weise der Kombination.

Spricht diese Musik, diese Kombination die Menschen an, gefällt sie dem Publikum?

Ja, sie mögen das. Sie finden es speziell und seltsam, denn sie können nicht zur Musik tanzen und singen. Sie können nur fühlen, was wir ihnen anbieten. Für die Zuhörer hier ist diese Musik  schön und sehr mächtig. Es ist nicht die Art Unterhaltungsmusik, die man sich anhört, nach Hause fährt und nachsummt.

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Nun arbeiten Sie in den Campus-Projekt mit dem Bundesjugendorchester zusammen und haben im Autrag der Deutschen Welle für dieses Orchester eine Komposition geschrieben. Das ist eine noch weit reichendere Kombination: Großes Orchester und Kamemrmusik, China und Deutschland. Was bedeutet diese Zusammenarbeit für Sie?

Es stimmt, mit  dem Deutschen Jugendorchester zusammen zu arbeiten, für sie ein Stück zu komponieren, ist eine neue Entwicklung und eine neue Herausforderung für mich und meine Musik.  Ein großes Orchester spielt ein Stück mongolische Musik, das macht diese Musik schon in meiner Vorstellung lauter. Und ich habe dadurch auch mehr Möglichkeiten, meine Ideen zu verwirklichen.

Der Titel der Auftragskomposition ist »Amila« – Auch Ihr Sohn heißt »Amila«, – was bedeutet dieser Name?

Es gibt zwei Gründe: 1. Es hat tatsächlich mit meinem Sohn zu tun, mein Lebensgefühl, meine Rolle im Leben hat sich durch seine Geburt sehr verändert. Deshalb wollte ich gerne ein Stück schreiben, das sich auf ihn bezieht. »Amila« heißt auf mongolisch »Gibt Leben«. Ich finde, dass dieses Wort einen besonderen Sinn hat. Unsere Kooperation mit dem Orchester ist es auch eine neue Schöpfungs-Phase für mich, deshalb finde ich diesen Name sehr passend.

Der Kontext Ihrer Zusammenarbeit mit dem Bundesjugendorchester und der DW-Auftragskomposition ist das Beethovenfest. Ihr Werk wird beim Beethovenfest Bonn uraufgeführt, in der Geburtsstadt Beethovenfest.  Im Januar waren Sie in Bonn und haben die Stadt Bonn und Beethovens Geburtshaus erlebt. Was hat das bei Ihnen ausgelöst?

Ich war in Bonn, habe das Beethoven-Haus besichtigt, es hat mich näher an Beethoven gebracht. Ich fühle seine Sehnsucht nach Leben. Ich habe sein Haus gesehen: In meiner Vorstellung war er ein kleiner und schwacher Mann, der  aber viel erlebt hat. Ich habe viele seiner Portraits in seinen unterschiedlichen Phasen gesehen, habe seine Veränderungen gesehen, insbesondere nachdem  er taub geworden war. Aber seine Stücke bleiben immer sehr lebendig, und diese Lebenskraft will ich auch in meiner Komposition betonen.

Können Sie das ausführen – was bedeutet Beethovens Musik für Sie, welche Gefühle löst sie bei Ihnen aus?

Ich habe  viel Musik von vielen Komponisten gehört. Bis heute ist Beethoven ein Klassiker unter den Komponisten. Ich mag ihn persönlich sehr gerne, die Kraft in seiner Musik und die direkte Ausdrucksweise passen zu meinem musikalischen Geschmack.
Um eine Atmosphäre zu erzeugen, wählt er starke und direkte Klänge. Wenn ich komponiere,  je nachdem was ich schreibe, bevorzuge ich auch, starke Gefühle und Leidenschaft auszudrücken.

Neben dem Kompositionsauftrag für das Bundesjugendorchester werden Sie und Ihre Band auch ohne Orchester auftreten. Was erwartet die Zuhörer?

In Berlin wird unsere Band Mongolism ein Konzert geben. Es wird sehr direkt und kraftvoll sein, so wie Beethoven… Es wird  mongolische Musik geben, kombiniert mit modernen westlichen Musik-Techniken.

Sie betonen das Kraftvolle, Mächtige in der mongolischen Musik. Was wir im Westen von dieser Musik kennen, ist sehr männlich besetzt. Ist das für Sie als Frau eine besondere Herausforderung?

Mongolischer Komponist zu sein ist etwas Besonderes. Aber jeder echte Mongole ist ein Musiker. Sie können zu jeder Zeit alle Gegenstände als Musikinstrument benutzen. Und wenn sie den Mund aufmachen, können sie schon singen. Mongolen mögen es, Kraft und Esprit zu zeigen, auch wenn man kein Komponist ist. Kraft und Esprit sind sehr wichtig, nicht nur für Komponisten, auch für Nomaden. Ihr Lebensraum ist schwierig, sie müssen innerlich stark sein, aber auch körperlich stark sein. Nur dann kannst du in dieser Umgebung überleben.

Beim Campusorchester am 25.09.2015 wird Zulan mit Ihrer Gruppe Mongolism und dem Bundesjugendorchester eigene Werke, Ludwig van Beethovens Konzert für Klavier und Orchester Nr. 3 c-Moll op. 3 und Sergei Prokofjews Symphonie Nr. 1 aufführen.  

Das Interview führte Adelheid Feilcke von der Deutschen Welle am 24. Juli 2015 in Peking.

Tweetup-Blogging Teil 1: Was ist das Besondere an den Wiener Symphonikern?

Auf Tournee von Paris bis Bregenz – in Wien daheim 

Als Wiener Concertverein wurde das Orchester 1900 in der österreichischen Hauptstadt gegründet. Vorerst mit den Zielen für die Wiener Bevölkerung bezahlbare Konzerte zu veranstalten und andererseits den Bedarf an Ur- und Erstaufführungen damaliger zeitgenössischer Werke abzudecken, waren sie schnell aus dem lebhaften Wiener Musikleben nicht mehr wegzudenken.

Zu Beginn der 30er Jahre bekam das Orchester seinen heutigen Namen und wurde auf internationalen Tourneen mit Werken von u. a. Franz Liszt, Gustav Mahler und Anton Bruckner gefeiert.

Trotz ihrer Präsenz in den Häusern Musikverein und Konzerthaus und als Opernorchester im Theater an der Wien werden die Musiker nicht müde, durch die Welt zu reisen und sind regelmäßig in zahlreichen Konzertsälen Europas von Paris bis Mailand zu Gast. Als Kulturbotschafter der Stadt pflegen sie neben der Wiener Klangkultur, die einen zentralen Stellenwert einnimmt, auch die hochromantische Konzertliteratur. Diese Kombination macht das aus 128 Musikern bestehende Orchester zu einem der herausragenden Klangkörper der europäischen Musiklandschaft.

Seit fast 70 Jahren ist das Orchester als „Orchestra in Residence“ bei den Bregenzer Festspielen zu Gast. Am Bodensee treten sie nicht nur als Opernorchester beim Spiel am See und bei der Oper im Festspielhaus in Erscheinung, sondern sind auch mit mehreren Konzerten im Programm des Festivals vertreten.

Wiener_Symphoniker_c_Andreas_Balon                                                                                                     © Andreas Balon

Dirigenten wie Richard Strauss, Wilhelm Furtwängler, Bruno Walter, Hans Knappertsbusch, George Szell, Herbert von Karajan, Wolfgang Sawallisch, Georges Prêtre und Fabio Luisi – um nur einige wenige zu nennen – formten und prägen den Klang und den Stil dieses traditionsreichen Orchesters. Als Gastdirigenten feierten außerdem Stars wie Leonard Bernstein, Lorin Maazel, Zubin Mehta, Claudio Abbado, Carlos Kleiber oder Sergiu Celibidache viel beachtete Erfolge.

Mit dem jungen Stardirigenten Philippe Jordan als neuen Chefdirigenten hat eine neue Ära begonnen. Seine erste Saison 2014/15 widmete er der Gesamtaufführung der Symphonien von Schubert, zeitgenössischen Kompositionen und den großen Oratorien von Bach.

Am 6. September ist das Orchester beim Beethovenfest Bonn mit Werken von Anton Webern, Johannes Brahms und Ludwig van Beethovens 7. Symphonie zu Gast – hat also die Wiener Meisterwerke im Gepäck.

Das Orchester ist in den Sozialen Medien hier zu finden:

»That’s what happens when you play Beethoven« – Interview with pianist Herbert Schuch

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Deutsche Welle: The context of our talk is the Bundesjugendorchester, Beethoven and Bonn. So it is a triple B. You are the pianist in this relatively long-term project that starts in Beijing and ends in Bonn. So does it mean specifically to you?

Herbert Schuch: Well of course the most specific thing is that it is a youth orchestra, which means that the instrumentalists are between 16 and 19. I clearly remember the first time I played Beethoven’s Piano Concerto No. 3. I was 15 then, I think, and playing with a youth orchestra then too, the high school orchestra at my school in Germany. So it feels rather familiar to me – although that was about 20 years ago. When young people experience this music for the first time, I find it a great opportunity to give them my ideas about the music – and just let them play and have fun.

It seems that the Third Beethoven Concerto is something that runs through your life. I saw you selling the CD of this concerto with the WDR Orchestra. Why this one? Is it one of your favorite pieces?

The fact that I learned it when I was so young was pure coincidence, I think. But it was the first piano concerto I played with orchestra, so it marks the beginning of my orchestral career. I’ve been playing it a lot since then, and of course many things have changed. If you learn something when you are young, sometimes you do wrong things – and they stick for quite a long time, so it’s hard to change them. But I was always fascinated by this piece nevertheless, and I chose it for my first CD release with orchestra four years ago, along with the Ullmann Concerto, which has totally different history.

What fascinates you most about the Beethoven Piano Concerto? The first movement, or the overall character of this piece? Why do you keep working on it?

That’s what happens when you play Beethoven. He offers you an extremely broad range of characters, and I think you need a lot of time to bring them out. And even if you think you have found them, it takes you another 10 or 20 years to be able to really point the character out in concert. It’s a very long journey. Of course the Third concerto is extremely heroic, and it has this new sound and character – one more dramatic than brilliant – and that remains through the entire first movement.

Do you think that’s because Beethoven wrote this when he was in a personal crisis?

I think he also wrote dramatic pieces when he wasn’t troubled. He could express a wide range of things in his music – even if he wasn’t feeling a certain way the day he composed it. I don’t think the two things are necessarily connected.

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Bonn is the birthplace of Beethoven. Does that inspire you? What is your connection to the city?

Whenever a musician comes to a place where the great heroes of music lived, were buried or were born, it’s always a moving experience. And it can be inspiring especially if you go to the authentic sites and maybe even see an autograph score, personal handwriting or the instruments they played on. It’s a direct encounter after over 200 years. Playing the music gives you the same direct encounter of course, but on a different level. And sometimes you discover that these great artists were also human beings, so you feel closer to them. So yes, playing Beethoven in Bonn is special.

What other Beethoven pieces do you love?

I’ve played all the concertos, but I can’t really say which one I like most. It would be really unfair. I’m currently playing a lot of the late piano music, including the Diabelli Variations and the last sonata. It’s good to always have Beethoven in your repertoire, because this music never looses its intensity.

What is it like to collaborate with Patrick Lange and this orchestra?

It’s been going very well. He’s actually around the same age as I am – two years younger – and we share the same opinions and work together well in the rehearsals. It was good to have lots of rehearsals on the tour – many more than when you work with a normal orchestra. You have time to work on things you didn’t really like the day before the concert. Sometimes, on a long tour, you rehearse once, and then it runs. You can’t change anything. But Patrick is always willing to repeat things and say things to the orchestra over again. And the orchestra obviously loves to do so many rehearsals, and they’re not tired of rehearsing by the time they perform.

Watching you the last few days, I would say that is what you can see and hear. And the way the young musicians interact seems very refreshing. Do you find that unusual?

No, I think every good musician should be able to react to the others. These young musicians need more time for that because they haven’t played the pieces 20 times. So they’re open-minded, willing and eager to learn and develop. Once you’ve planted the seed, it will grow. And it’s also a big orchestra. They have a large and very strong string group – but there are a lot of people in it, so sometimes it takes a while for the message to reach the last row. It’s a lot of fun. It’s all about teaching and giving advice and getting a big musical reward back at the same time. That’s actually why I do the whole thing.

What are your next projects?

I’m actually working on other piano concertos. I’m currently learning the first Prokofiev concerto, which I will play with Valery Gergiev in Munich in November, and I’m working on Beethoven’s Diabelli Variations, which I will play in Italy and Germany. There’s a concert in Washington in October – quite a special program with religious piano music. So it’s a lot of different repertoire, different projects – and that keeps me alive.

Herbert Schuch will perform in the Campus Concert of the Beethovenfest on September 25, 2015. The performance will be available as audio on demand on DW’s Concert Hour for one week, beginning October 30, 2015: available under dw.com/concerthour.

Beethoven und die Familie

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Ludwig van Beethovens Eltern Johann und Maria Magdalena van Beethoven

Beethoven hatte es nicht immer leicht mit seiner Familie. Sein Vater Johann van Beethoven und seine Frau Maria Magdalena bekamen insgesamt sieben Kinder, von denen vier bereits im Kindesalter verstarben. Ludwig wuchs mit seinen Brüdern Kaspar Karl und Nikolaus Johann auf. Sein Vater Johann war Sänger in der Hofkapelle des Kurfürsten in Bonn und hatte von Beethovens Großvater, der ebenfalls Ludwig hieß, ein großes Vermögen geerbt. Beethoven war sein Großvater sehr wichtig und er betrachtete ihn als Vorbild. Ludwig van Beethoven der ältere war ein angesehener Musiker mit lebhaften Augen, der in der ganzen Stadt respektiert war und es zu einigem Wohlstand gebracht hatte. Während Beethoven seinen Großvater bewunderte und sich später ein Ölgemälde von ihm in seine Wohnung hängte, war das Verhältnis zu seinem Vater eher kompliziert. Johann van Beethoven war dem Alkohol zugeneigt und sehr streng zu seinen Kindern. Das Geld seines Vaters hatte Johann schnell ausgegeben und so war die Familie geplagt von Geldsorgen. Beethovens Vater erkannte das Talent seines Sohnes schnell und stellte diesen als Wunderkind dar. Beethovens Mutter Maria Magdalena dagegen war das Gegenteil von ihrem Ehemann. Sie zeichnete sich durch ihre Ernsthaftigkeit aus und hielt die Familie zusammen. Ihr erster Ehemann starb als sie 18 Jahre alt war, später lernte sie dann Beethovens Vater kennen. Nach ihrem Tod im Jahr 1787 verfiel Beethovens Vater immer mehr dem Alkohol, so dass sich Ludwig allein um seine zwei Brüder kümmern musste. Da Beethoven schon mit 12 Jahren am Hofe musizierte und bereits Klavier, Geige, Cembalo und Bratsche auf hohem Niveau spielte, konnte er die Familie mit seinem Musikergehalt finanzieren.

Mit seinen zwei Brüdern verbrachte Beethoven als Kind viel Zeit, es wird berichtet, dass er besonders mit seinem Bruder Johann viele Streiche ausgeheckt haben soll. Später ziehen alle drei Brüder nach Wien. Kaspar Karl nennt sich von da an nur noch Karl und versucht als Musiker Erfolg zu haben. Nachdem das aber nicht so recht klappt, wird er zu Beethovens Sekretär und ist für seine geschickte Verhandlungstaktik berüchtigt. Als Karl seine Frau Johanna Reiss kennenlernt, wird das Verhältnis zu Beethoven schlechter. Beethoven kann Johanna nicht leiden, nennt sie die „Königin der Nacht“ und führt nach Karls Tod einen erbitterten Streit um das Sorgerecht für Johannas Sohn Karl. Beethovens Bruder Nikolaus Johann macht zunächst eine Apothekerlehre in Bonn. Er heiratet seine Haushälterin Therese Obermayer, die Beethoven ebenfalls nicht leiden kann und angeblich „Fettlümmel“ genannt haben soll. Nikolaus Johann leiht Beethoven zwar Geld wenn der in finanziellen Nöten ist, fordert dafür aber Kompositionen als Pfand. Alle drei Beethoven-Söhne waren also zähe Verhandlungspartner und sich in dieser Beziehung gar nicht so unähnlich.

Quelle: Beethoven-Haus Bonn

Beethoven und seine Verleger

breitband härtel verlegerOhne Verlage wäre Beethoven wahrscheinlich heute nicht auf der ganzen Welt bekannt. Druck, Gestaltung und Vertrieb wurde von den Verlagen übernommen. Die Verleger konnten auf ein großes Netzwerk an Kontakten zurückgreifen, über die sie neue Werke noch breiter vertreiben konnten. Beethoven war sehr daran interessiert, seine Werke an die Verlage zu verkaufen. Neben den Einkünften für den Verkauf der Partituren war ihm auch die korrekte Veröffentlichung und die ästhetische Gestaltung der Notenblätter wichtig.

Zu Beethovens Zeit waren nur zwei Methoden der Vervielfältigung möglich: das Abschreiben oder das Kopieren der Originalvorlage. Beethoven selbst war berühmt-berüchtigt für seine chaotische Handschrift. Er musste für jedes Manuskript einen Kopisten engagieren. Da es aber noch kein Urheberrecht oder ähnliches gab, beschäftigte Beethoven seine Kopisten bei sich im Haus oder gab ihnen Partituren nur anteilig mit, um sicherzustellen, dass sie nicht heimlich zusätzliche Kopien seiner Werke anfertigten.

Durch seine fortschreitende Taubheit konnte Beethoven zunehmend weniger Konzerte absolvieren und war von daher auf die Einnahmen aus seinen Partitur-Verkäufen angewiesen. Außerdem war er sich darüber bewusst, dass seine Musik revolutionär war und wollte diese möglichst international verbreiten. Sein zunehmender Erfolg machte ihn zu einem immer geschickteren Verhandlungspartner, so dass er hohe Beträge für seine Werke erzielte. Den Gipfel erreichte seine Taktik, als er die »Missa solemnis« über Jahre acht verschiedenen Verlagen anbot um den Betrag von 1000 Gulden durchzusetzen, was ihm am Ende auch gelang.

Beethoven pflegte durchaus auch engere Kontakte zu den verschiedenen Verlegern. So schätze er den Verlag Breitkopf & Härtel für dessen zeitgenössische Drucktechnik. Manche Werke verkaufte Beethoven exklusiv für eine begrenzte Zeit an den Adel. Nach Ablauf der Frist bot er auch diese Werke den Verlagen an und konnte so ein Vielfaches der Beträge generieren. Die Konkurrenz der Verlage und der zeitgleiche Verkauf in Österreich und z.B. Deutschland gehörte ebenfalls zu Beethovens Strategie. Da Komponisten aber lediglich ein Einmalhonorar erhielten und nicht an späteren Kopien beteiligt wurden, verblieb der Großteil der Gewinne bei den Verlagen. Beethovens Bekanntheitsstatus sorgte allerdings dafür, dass das Ansehen der Verlage stieg sobald sie ein Werk von ihm im Repertoire hatten. So waren auch die hohen Kosten für Beethovens Honorar zu verkraften.

Quelle: Beethoven-Haus Bonn

»Tierisch Barock«

Sockenkonzert

Ensemble Nel Dolce in der Post Tower Lounge

Tiergeräusche und Barockmusik haben eigentlich eher wenig gemeinsam. Dass sich aber Katzenmiauen oder Hühnergegacker in der Barockmusik ganz gut anhört, hat das Kölner Ensemble Nel Dolce im Rahmen des Beethovenfests auf spielerische Weise gezeigt.

In der Bonner Post Tower Lounge präsentierte am 22. September das Barockensemble um Stephanie Buyken, Olga Piskorz, Harm Meiners und Luca Quintavalle, ein musikalisches Quiz vor mehr als 100 Kindern und Erwachsenen. Anders als in einem klassischen Konzert mussten die Kinder nicht still sitzen und leise sein, sondern durften mitsingen, -klatschen und -raten. Lachen war natürlich auch kein Tabu!

»Spaß macht natürlich beides, aber vor Kindern zu spielen ist immer etwas Besonderes, da wir versuchen spielerisch den Kindern die Barockmusik näher zu bringen«, sagte Stephanie Buyken auf die Frage, was mehr Spaß machen würde -vor Kindern oder Erwachsenen zu spielen. Mit Blockflöte, Violine, Violoncello und Cembalo gewappnet ging das Quintett auf die Bühne, um den größtenteils kleinen Zuschauern ein einstündiges, interaktives Geräuschschauspiel zu bieten.

Die Mischung macht’s

Das Ensemble verpackte ihr Sockenkonzert in ein Theaterstück und schaffte so den schwierigen Spagat zwischen Barockkonzert und Kinderanimation. Die Reihe der Sockenkonzerte ist eine Konzertreihe für alle Menschen zwischen 5 und 99 Jahren. Mit den beiden Freunden Aladino und Alicia, alias Stephanie Buyken und Olga Piskorz, traten die Kinder bei einem musikalischen Wettbewerb an, der von einer strengen Jury begutachtet wurde. In kleinen Spielen mussten die Kleinen unteranderem mit geschlossenen Augen Tiere in den barocken Musikstücken wiedererkennen oder durch Klatschen das Quintett unterstützen. Für Stephanie Buyken ist es eigentlich egal, welche Musik gespielt wird: »Ob jetzt Barockmusik oder Popmusik gespielt wird, das Wichtigste ist, dass es den Kindern gefällt. Aber ein bisschen Kultur hat ja noch niemandem geschadet.« Den Wettbewerb konnten schlussendlich Aladino und Alicia mit Hilfe der Kinder gewinnen. Der Sieg wurde natürlich auch im Anschluss gefeiert – selbstverständlich mit Barockmusik!

Deutsche Post DHL unterstützt auch 2014 als Hauptsponsor das Beethovenfest und ermöglicht so unter anderem ein kostenloses Rahmenprogramm in der Post Tower Lounge.